Historisches Sachsen
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Im Süden der Messestadt Leipzig, wo einst die Braunkohlenindustrie das Landschaftsbild formte, beginnt die heutige Tour. Burgen, Schlösser und Herrenhäuser bestimmen auch hier die Architektur der vergangenen Jahrhunderte. Doch die ersten Bauten stammen bereits aus dem 10. Jahrhundert. So wartet die Wiprechtsburg in Groitzsch als ältester Steinbau Nordwestsachsens mit seiner Rundkapelle und Resten eines Wohnturms auf die Besucher.

Barockschloss Wiederau


Die Tour starten wir am Barockschloss Wiederau, das durch die Bachkantate "Angenehmes Wiederau, freue dich in deinen Auen" Bekanntheit erlangte. Wiederau, erstmals 1080 als Widerhowe genannt, war ursprünglich eine slawische Siedlung, die sich später zum Straßendorf erweiterte. Grundlage der ersten Ansiedlung war der fruchtbare Auerand der Weißen Elster südwestlich von Leipzig.
Die Geschichte des heutigen Schlosses beginnt jedoch zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Nach dem Brand des alten Gutshauses 1614 wurde im Jahre 1705 durch Johann Gregor Fuchs - 1696 bis 1715 Ratsbaumeister in Leipzig - das Barockschloss Wiederau im Auftrage des Leipziger Handelsherrn David von Fletscher erbaut. Das Schloss ist ein dreigeschossiger Rechteckbau mit Mansarden-Walmdach und zwei leicht hervortretenden Flügeln an der Nordseite. Das Eingangsportal befindet sich im Mittelrisalit, der durch einen rundbogigen Uhrturm bekrönt wird. Zum Portal führt eine Freitreppe.
Die Ausgestaltung des Wiederauer Schlosses wird dem bekannten italienischen Maler Giovanni Francesco Marchini und einem Stuckateur aus Mailand zugeschrieben. Die vielfältig gegliederten und kostbar verzierten Wände des über zwei Geschosse reichenden Festsaales zeigen Szenen aus der antiken Mythologie. Raumbeherrschend ist das monumentale Deckengemälde, das den Blick über perspektivisch verkürzte Säulen nach oben lenkt. Frauenfiguren, die für die göttliche Weisheit und die menschliche Tugend stehen, umgeben eine Himmelslandschaft. In seiner Gesamtheit ist der Festsaal mit seinen Stuckdekorationen, Wand- und Deckenmalereien besonders wertvoll und wohl einzigartig in Sachsen.
Bekannt geworden ist Wiederau auch durch die Musik. 1737 erklang anlässlich der Huldigungsfeier für Johann Christian von Hennicke, einem Günstling am Dresdner Hofe, der das Schloss Wiederau 1737 erworben und umfangreiche Baumaßnahmen veranlasst hatte, Johann Sebastian Bachs Kantate "Angenehmes Wiederau, freue dich in deinen Auen".
Die Nebengebäude von Schloss Wiederau stellte in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts der damalige Besitzer, Konrad von Holleuffer-Kypke, selbst seit 1926 KPD-Mitglied, der Arbeiterjugend von Leipzig und Umgebung zur Verfügung. Doch die Bodenreform am Ende des 2. Weltkriegs konnte auch der "rote Baron" nicht verhindern.
Nach dem Krieg zogen Vertriebene in das Schloss ein. Später diente das Gebäude als Gemeindeverwaltung und Kindergarten. Für den Abriss zu Gunsten des Braunkohletagebaus vorgesehen, wurde das Gebäude 1975 leergeräumt. Das Ende der DDR verhinderte das Ansinnen. Zwischenzeitlich setzte man den vernachlässigten Bau wieder instand. Das Schloss, heute vollkommen restauriert, soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Schloss Altranstädt


Nördlich von Wiederau, der Bundesstraße 186 folgend, treffen wir auf ein geschichtlich interessantes Schloss in Altranstädt.
Altranstädt entstand während der Kolonisation als deutsche Siedlung auf ursprünglich slawischem Gebiet. 1091 erfolgte die erste Nennung des Ortes als "Ranstädt" in einer Urkunde. Mit dem Verkauf des Dorfes 1190 an das Zisterzienserkloster Altzella bei Nossen gehörte es als Granie zu Altzella. Grangien bildeten die vorherrschende Gutsform der Zisterzienser und stellten von Laienbrüdern (Konversen) bewirtschaftete Großgüter dar. Die Konversen stützten sich in ihrer Arbeit neben der klösterlichen Eigenwirtschaft auch auf die Abgaben von abhängigen Bauern.
Der Status des Klosterguts mit zugehörigem Dorf bestand bis zur Säkularisation des Klosters Altzella im Jahre 1540 infolge der Reformation. Das nunmehr weltliche Rittergut wurde 1546 an den Leipziger Bürgermeister Wolf Wiedemann verkauft. 1588 ersteigerte es der Merseburger Kanzler Gabriel Schütz, der es bis 1595 bewirtschaftete. Dann erwarb der Geheime Rat Johann Badehorn das Anwesen. Um 1600 entstand auch das Schloss unter Beibehaltung eines romanischen Turmes als Dreiflügelanlage mit Anschluss an die Kirche.
In den folgenden Jahren ging das Gut durch verschiedene Hände. Schließlich kam Altranstädt um 1700 in den Besitz des Freiherrn Karl von Friesen. Besondere Bedeutung erlangte Schloss Altranstädt unter dessen Sohn Nicolaus von Friesen 1706/07 während der schwedischen Besatzung Sachsens im Großen Nordischen Krieg (1700 - 1721) um die Vorherrschaft im Ostseeraum zwischen Schweden, Russland, Sachsen-Polen und Dänemark-Norwegen. Der schwedische König Karl XII. hatte Sachsen unter August dem Starken, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, besiegt und wählte Schloss Altranstädt von Herbst 1706 bis Herbst 1707 zu seinem Hauptquartier. In Altranstädt wurde am 24. September 1706 auch der sogenannte "Altranstädter Frieden" zwischen Karl XII. und August dem Starken geschlossen. Nach diesem Friedensschluss musste August auf die erst 1697 erworbene polnische Krone verzichten und das Bündnis mit Russland aufgegeben. Am 01. September 1707 folgte die "Altranstädter Konvention" zwischen Karl XII. und Österreich, in der den schlesischen Protestanten Religionsfreiheit zugesagt wurde.
Doch die Folgen des Krieges gingen nicht spurlos an Sachsen vorbei. 1715 war Nicolaus von Friesen wegen Überschuldung in Folge der schwedischen Besatzung gezwungen, Altranstädt zu versteigern. Schloss und Rittergut erstand Johann Georg Camman. Als Christiane Elisabeth Camman 1771 verstarb, erbte der Freiherr Johann Jacob von Hohenthal den Besitz. Der ursprünglich aus Leipzig stammenden Familie gehörten bereits mehrere Dörfer in der Umgebung. Johann Jacob von Hohenthal ließ um 1780 das Schloss Altranstädt reparieren, wobei auch das Friedenszimmer im Obergeschoss seine heutige Fassung erhielt. Da die Freiherren und späteren Grafen von Hohenthal ihren Sitz auf Schloss Dölkau hatten, verpachteten sie das Rittergut Altranstädt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wohnten die Pächter im Schloss.
Unter den Nachfolgern der Familie von Hohenthal zeigte besonders Graf Karl Gustav Adolph von Hohenthal Interesse für die Geschichte des Schlosses als Hauptquartier des schwedischen Königs Karl XII. Zur Zweihundertjahrfeier der Konvention von Altranstädt am 1. September 1907 enthüllte man im Hof des Schlosses einen 5 Meter hohen Obelisk aus schwedischem Granit, der sich sowohl auf die Altranstädter Konvention als auch den Friedensschluss bezieht.
Die Grafen von Hohenthal blieben bis zur Enteignung in Folge der Bodenreform 1945 im Besitz von Schloss und Rittergut Altranstädt. Dann wurde das Schloss für Wohnzwecke genutzt; das Land ging an Neubauern. Mit der Gründung des Fördervereins Schloss Altranstädt e.V. bemüht sich dieser um die bauliche Erhaltung und eine seiner historischen Bedeutung angemessenen Nutzung. Die Gesamtanlage umfasst das Schlossgebäude, einen Turm, die Kirche, ein Pfarrhaus mit Garten und Scheune sowie die Grabkapelle der Familie von Hohenthal. Das sanierte Schloss beherbergt heute ein Museum mit dem Friedenszimmer zum Altranstädter Frieden und eine Ausstellung zum Großen Nordischen Krieg. In weiteren Räumen finden wechselnde Ausstellungen, z.B. zur modernen Kunst, statt. Darüber hinaus können Räumlichkeiten für Feiern und Kulturveranstaltungen angemietet werden. Sehenswert ist auch die renovierte Kirche.

Pleißenburg Leipzig


Vom Schloss Altranstädt führt die Bundesstraße 87 in das Stadtzentrum von Leipzig und damit zur nächsten Sehenswürdigkeit der Region: das Neue Rathaus. Parkplätze sind in der Stadt rar. Die größten Chancen auf einen freien Parkplatz hat man südlich des Stadtringes, etwa am Floßplatz. Von hier sind es nur ein paar hundert Meter bis zum Zentrum.

Im Zentrum von Leipzig befindet sich das in seiner Monomentalität wohl einmalige Neue Rathaus, das sich aus der ehemaligen Pleißenburg entwickelte. Das "Schloss an der Pleiße", wie der Vorgängerbau des Neuen Rathauses in den Bauakten des 16. Jahrhunderts genannt wurde, ist der letzte Rest einer ehemals drei Burgen umfassenden Befestigung der Stadt, die vom Westen her bereits durch die alte Leipziger Burg und von Osten durch die 1180 erbaute markgräfliche Burg des Stadtvogtes gesichert war.
Wer sich von Süd-Westen dem Stadtzentrum Leipzigs nähert, trifft unvermittelt auf die Krone der Stadt: das Neue Rathaus. Der 1899-1905 durch Hugo Licht errichtet Bau ersetzte die 1897 abgebrochene Pleißenburg aus dem 13. bis 16. Jahrhundert. Von der ehemaligen Zwingburg blieb nur der Turm erhalten, den man auf über 100 Meter erhöhte. Um den Turm platzieren sich vielfältig gegliederte Gebäudegruppen. Hugo Licht, Leipzigs führender Architekt, vollbrachte hier seine reifste Leistung. Das Neue Rathaus aus mainfränkischem Muschelkalk beinhaltet Elemente der Renaissance, des Barocks und des Jugendstils. Zum Hauptportal des Neuen Rathauses führt eine Freitreppe, flankiert von zwei auf Pfeilern sitzenden Löwen.
Die Pleißenburg entstand ab 1217 unter Markgraf Dietrich den Bedrängten. Der stets auf den Ausbau seiner Landesherrschaft bedachte Wettiner reagierte damit auf die Aufstände der Leipziger Bürger und vervollständigte mit einer weiteren Burg die Umklammerung der Stadt. Während alle anderen Anlagen noch in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts aufgegeben wurden, baute man die Pleißenburg zur landesherrlichen Stadtburg und zum Sitz eines Vogtes aus. Dabei bezog man sie in die neue Stadtmauer ein.
Mit dem Schloss stehen eine Reihe geschichtlicher Gegebenheiten in Verbindung. "Hier wurden mehrere wichtige Landtage gehalten. … Hier vermählte sich die Schwester Ludwig IV. von Thüringen mit Peppo von Henneberg, hier theilte dessen Sohn Heinrich der Erlauchte seine Länder und hier erfolgte im Jahre 1485 auch die Theilung der von Kurfürst Ernst und dem Herzog Albrecht ererbten Besitzungen.
Hier hielten vom 28. Juni bis 16. Juli 1519 in der sogenannten grossen Hofstube Dr. Luther und Karlstadt mit dem Dr. Eck jene bedeutende und die Begründung der evangelischen Lehre wirksam befördernde Disputation, welche statt Luthern, wie es sein Gegner verkündet hatte, zum Schweigen zu bringen, die Wahrheit seiner Lehrsätze nur um desto siegreicher bewährte. Hier predigte Luther im Jahre 1519 vor seinen eifrigsten Widersachern dem Herzog Georg dem Bärtigen und zwanzig Jahre später vor einem seinen innigsten Verehrer und Freunde, dem Herzog Heinrich dem Frommen."
Im Schmalkaldischen Krieg belagerte Kurfürst Johann Friedrich 1547 Leipzig und beschädigte die Pleißenburg schwer. Mit dem Wiederaufbau beauftragte man den Leipziger Baumeister und Ratsherr Hieronymus Lotter, der auch die Augustusburg errichtete. Es entstand ein Festungsbau mit einem dreieckigen Grundriss. An der südwestlichen Ecke befand sich der 52 Meter hohe Turm.
In den folgenden Jahren nahmen verschiedene Feldherren Einfluss auf den Ausbau und die Instandhaltung der Anlage, bis diese schließlich Mitte des 18. Jahrhunderts ihre Bestimmung als Festung verlor und zunehmend zivilen Nutzungszwecken zugeführt wurde. So richtete man 1787 eine Sternwarte im Schlossturm ein und nutzte die Gebäude durch die Kunstakademie und die Universität. Mit dem Ankauf des Grundstücks durch die Stadt Leipzig 1895 stand dem Abbruch und dem Neubau des Neuen Rathauses nichts mehr im Wege.

Gohliser Schlösschen


Im Anschluss fahren wir zu einem Schloss, das sich wesentlich von dem bisher gesehenen unterscheidet. Das Gohliser Schlösschen besticht durch seine filigrane Architektur und Detailgenauigkeit. Längst sind die Zeiten vorbei, als im Sommer die Bürger Leipzigs in das ehemalige Dorf zogen und diesem das Aussehen einer Vorstadt verliehen. Heute ist das Gohliser Schlösschen, etwa zwei Kilometer nördlich des Stadtzentrums, umgeben von zahlreichen Wohn- und Geschäftshäusern, die es in seiner Höhe um einiges überragen.
1670 kaufte der kursächsische Leibarzt und Professor Dr. Michael Heinrich Horn das Anwesen. Nach dessen Tod gelangte das Gut in den Besitz seines Schwiegersohnes, den Rat Dr. Lüder-Menke. Um das Jahr 1750 gehörte Gohlis dem Kaufmann, Kammerrat und Ratsbaumeister zu Leipzig Johann Caspar Richter.
Der Kaufmann Johann Caspar Richter (1708-70) baute 1755-56 auf dem Grund zweier Bauerngüter das Schloss in der Leipziger Menckestraße 23 im Rokokostil als Sommersitz am Rande des Rosentals. Leipzig stand zu dieser Zeit auf seinem wirtschaftlichen Höhepunkt. So investierten die Leipziger Kaufleute nicht mehr nur in ihre Unternehmen, sondern finanzierten auch prächtige Palais und selbst öffentliche Bauten, wie die Leipziger Börse. Zahlreiche barocke Gärten mit ihren Lusthäusern entstanden rund um die mittelalterlichen Befestigungsanlagen. Sie dienten den Vergnügungen und Kunstsammlungen der Handelsherren und orientierten sich in ihrer Gestaltung an den fürstlichen Anlagen dieser Zeit. Die Gärten sind im 19. Jahrhundert - bis auf das Gohliser Schlösschen - jedoch wieder verschwunden.
Auch Johann Caspar Richter ließ auf seinem Gohliser Besitz ein neues Herrenhaus errichten und den Garten verändern. Es entstand ein bürgerlicher Landsitz, der sowohl große Schlossanlagen (Jagdschloss Hubertusburg) als auch Elemente französischer "Maison de plaisance" zum Vorbild hatte. Doch das Schloss musste im Innenausbau unvollendet bleiben. Preußische Truppen besetzten im Siebenjährigen Krieg auch Leipzig. Den Bauherrn verpflichteten sie mit anderen wohlhabenden Bürgern der Stadt zu Kontributionszahlungen an Preußen.
Nach dem Tode Richters heiratete Johann Gottlob Böhme, ein Leipziger Geschichtsprofessor, 1771 dessen Witwe und gelangte so in den Besitz des Schlösschens. Er ließ auch die aus finanziellen Gründen unvollendete Innenausstattung fertig stellen und stattete den Landsitz wohnlich aus. Böhme veranlasste u.a. die Ausmalung des Festsaals durch Adam Friedrich Oeser und brachte eine ansehnliche Bibliothek mit 455 Bänden und eine Sammlung von insgesamt 1074 Kupferstichen und 232 Gemälden in das Schlösschen, von denen heute jedoch nur noch wenige Teile vorhanden sind. Darüber hinaus machte er sich um die Entwicklung des Ortes verdient, ließ die Dorfstraße pflastern, Lindenalleen anlegen und einen Betsaal errichten.
Mit dem Tod Böhmes erbte der Hof- und Justizrat Johann Hieronymus Hetzer das Gut bis es 1793 durch Testament an die Stadt Leipzig übereignet wurde. Die Stadt verkaufte Inventar und Teile der Kunstsammlung und übergab die Bibliothek an die Stadtbibliothek Leipzig.
1832 veräußerte die Stadt das Schloss für einen "mäßigen Preis" an die Familie des Domherrn Karl Wilhelm Rudolf von Alvensleben. In der Folgezeit wechselten mehrfach die Besitzer, bis die Stadt Leipzig das Schloss 1904 erneut erwarb. Nach einer Sanierung und einem teilweisen Umbau eröffnete das Gohliser Schlösschen 1934 als "Haus der Kultur". Im Jahr 1950 nahm das Bach-Archiv seinen Sitz in Teilen des Gebäudes. Nach der Jahrtausendwende führte die finanzielle Lage der Stadt Leipzig zur Schließung des Gohliser Schlösschens, doch der Freundeskreis "Gohliser Schlösschen" e.V. führte den Veranstaltungsbetrieb weiter fort. Heute beherbergt das Gohliser Schlösschen Ausstellungs- und Veranstaltungsräume sowie ein Café.
Das Gebäude ist zur Gartenseite hin zwei- ansonsten eingeschossig. Die leicht vorgezogene Mitte wird von einem Dach und einem Turm mit Zwiebelhaube bekrönt. Der Rokokogiebel der Vorderseite ist mit reicher Rocailleornamentik verziert. Eine Treppe fehlt dem Gebäude. Der Eingang von der Parkseite liegt hinter einem Brunnen im Zentrum des symmetrischen Gartens. Zwei Flügel begrenzen beidseitig den Hauptbau.
Im Innern beeindrucken der Mittelsalon und der im oberen Geschoss befindliche Festsaal. Der Festsaal, der aufgrund eines Deckengemäldes von Adam Friedrich Oeser auch den Namen Oesersaal trägt, wurde nach 1770 im frühklassizistischen Stil eingerichtet. Sein allegorisches Plafondgemälde stellt den Lebensweg der Psyche dar. Die Wandflächen sind mit illusionistisch gemalten Landschaften versehen. Nach einer Restaurierung in den Jahren 1978-81 steht der Festsaal für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung. Neben Kammerkonzerten, Lesungen, Theater- und Ballettinszenierungen sollen auch Ausstellungen und Führungen in das Schloss einladen. Der Mittelsalon besitzt Kamine, Paneelen und Türen aus der Erbauungszeit von 1756. Seine Wandflächen waren bis 1793 mit "128 Kupferstichen unter Glas" behängt.

Schloss Schönefeld


Den Abschluss des Tages bildet der Besuch des Schlosses in Schönefeld, etwa 5 Kilometer westlich des Gohliser Schlösschens. In Schönefeld war der kleine Fluss Parthe von großer Bedeutung für die Entwicklung der an ihren Ufern gelegenen Siedlung. Durch die von der Parthe herbeigeführten Wassermassen entstanden Sümpfe und machten eine verkehrsmäßig Erschließung des Dorfes lange Zeit fast unmöglich. Nur eine Furt bot die Gelegenheit, den Fluss zu überqueren. So bildete die Parthe über weite Strecken eine natürliche Begrenzung der Gemarkung des Dorfes. Auch das Rittergut war durch Parthe und den Schönefelder Bach auf drei Seiten vom Wasser umgeben.
Über viele Jahre bestimmte die Familie von Thümmel, die bereits 1404 mit Schönefeld belehnt wurde, die Entwicklung des Ortes. 1604 errichtete die Familie auch ein erstes, wohl noch kastellähnliches Herrenhaus. Doch der Zeitpunkt seiner Erbauung war ungünstig. Schönefeld wurde - wie viele andere Dörfer auch - im Dreißigjährigen Krieg arg in Mitleidenschaft gezogen. Im Herrenhaus quartierten sich 1632 sogar Wallensteins Truppen ein, die auf die friedliche Übergabe der Stadt Leipzig an die Kaiserlichen warteten. Dessen ungeachtet entstand 1701 unter Gutsbesitzer Georg Heinrich von Thümmel der Vorgängerbau des heutigen Schlosses. Das barocke Herrenhaus besaß einen quadratischen Grundriss mit kleinem Lichthof und war von Wassergräben umgeben. Wenngleich ein Lustgarten mit Orangerie und Statuen erst zum Ende des 18. Jahrhunderts nachweisbar ist, ließ der Gutsbesitzer wohl schon im Zusammenhang mit dem Neubau des Schlosses südlich des Rittergutes einen Garten anlegen. Dem Gartenideal der damaligen Zeit entsprechend wurde dieser mit einem rechtwinkeligen Wegesystem ausgestaltet, welches gut mit der damals noch nicht begradigten Parthe harmonierte. Beiderseits des Herrenhauses entstanden Parterres. Eine südliche Blickachse richtete sich auf die erste Bockwindmühle Sachsens.
Kriegsschäden und Plünderungen durch preußische Truppen im 2. Schlesischen Krieg führten bei der Familie von Thümmel jedoch zur Geldnot. Schließlich verkaufte Carl Heinrich von Thümmel Mitte des 18. Jahrhunderts das Rittergut an den Hofrat Johann Friedrich Zeumer.
In der Folgezeit wechselten häufig die Besitzer. Ereignisreich waren noch einmal die Tage während der Völkerschlacht 1813. Das Gut war im Oktober von Teilen eines französischen Korps unter Marschall Michel Ney besetzt. Barrikaden und Schießscharten verwandelten die Gebäude in eine Festung. Als die Stellung der Franzosen gegenüber den Russen immer bedrohlicher wurde, gab Marschall Ney den Befehl, das Gut anzuzünden. Dem umgreifenden Feuer hatten der Besitzer Johann Ulrich Schneider und seine Bediensteten nichts entgegenzusetzen. Das Gut brannte fast vollständig nieder, Tiere verendeten, das Herrenhaus war zerstört.
Als Johann Ulrich Schneider im Mai 1815 starb, war seine Tochter Marianne Wilhelmine die einzige Erbin. Sie heiratete im Dezember 1815 den Königlich-Großbritannischen Kapitän der Armee Freiherrn Franz Botho von Eberstein. 1849 starb Marianne von Eberstein, und ihre Tochter Clara Hedwig von Eberstein wurde nunmehr Besitzerin des Ritterguts. Obwohl die neue Herrin nicht unvermögend war und ihr Vermögen auch durch Verkäufe von Feldgrundstücken an die Stadt Leipzig vergrößern konnte, führte sie ein sehr anspruchsloses Leben. Ihre einzige Leidenschaft war das Reisen. So brachte sie aus allen Erdteilen natur- und völkerkundliche Gegenstände mit, die in Schönefeld unterkamen. Ihr Vermögen gestattete es auch, das in der Völkerschlacht zerstörte Herrenhaus zu ersetzen. So entstand in den Jahren 1871-76 nach Entwürfen des Architekten Bruno Leopold Grimm ein neues Schloss im Stil des französischen Neobarocks. Markant ist der quadratische Uhrturm mit spitzem Helm in der Mittelachse des Schlosses. Zwei Seitenrisalite beleben den neunachsigen zweigeschossigen Bau. Sein Mansarddach gliedern neobarocke Gauben. Freitreppen und Terrassen an den Hof- und Gartenseiten erschließen das Hauptgeschoss. Schmiedeeiserne Balkone über den Portalen betonen den herrschaftlichen Charakter des Anwesens. Flankiert wird das Gebäude zum Rittergutshof durch die ehemalige Orangerie und das Kutscherhaus.
Auch den in der Völkerschlacht verwüsteten Garten ließ Clara Hedwig von Eberstein um 1890 neu gestalten. Die Parthe wurde begradigt und der direkt am Schloss vorbeiführende Nebenarm verfüllt. Naturnahe Wegeführungen und die Umgestaltung von Teich und Gehölzen harmonisierten Schloss und Landschaft. Noch heute lässt der Schlosspark die Wirkung des romantischen Landschaftsgartens von 1890 erahnen. Ein Großteil des Baumbestandes geht auf diese Zeit zurück oder ist bereits älter.
Im Auftrag der Baronesse Hedwig von Eberstein wurde 1883 neben der Schönefelder Kirche auch eine Begräbnisstätte in der Form einer Pyramide aus dunklem Granit mit einer gewaltigen Grufthalle im Inneren als Ruhestätte der Familien Schneider und von Eberstein erbaut. Die Anregung dazu hatte sie sicher von einer Ägyptenreise mitgebracht. Darüber hinaus dürfte die Grabpyramide des Reichsgrafen von Lindenau im nahen Schlosspark von Machern sowie die Seepyramide des Fürsten von Pückler in Branitz die Entscheidung der Baronesse beeinflusst haben. Den Eingang bewachten ursprünglich zwei bronzene Löwen, die ägyptischen Sphinxen ähnelten und heute nicht mehr vorhanden sind.
Bekannt geworden ist Hedwig von Eberstein durch die "Mariannenstiftung". Aus Trotz, dass ihr ein Neffe ein gewünschtes Darlehn verweigert hatte, beschloss sie 1881, ihr gesamtes Vermögen nach ihrem Tode für die Einrichtung einer Versorgungsstätte für unbemittelte Töchter hoher Zivilstaatsbeamter und Militärs im Schloss einzusetzen. Den Namen der Stiftung widmete die unverheiratete und kinderlose Baronesse ihrer Mutter Marianne Freifrau von Eberstein. Hedwig von Eberstein starb im Oktober 1900. Ihre Stiftung trat zwei Jahre später in Kraft.
Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges und dem Einmarsch sowjetischer Truppen wurden die Stiftsangehörigen aufgefordert, das Heim zu verlassen. In das Schloss zog zunächst die sowjetische Bezirkskommandantur ein, ab 1949 betrieb die Stadt Leipzig darin ein Alten- und Pflegeheim. Der Grundbesitz wurde an Neubauern verteilt, Restflächen der Stadt Leipzig übertragen.
Mit der Etablierung des Pflegeheims entstand 1972 auch eine Pflegestation für schwerst- und mehrfach behinderte Kinder. Doch die sich von Jahr zu Jahr verschlechternden baulichen Bedingungen führten 1990 zur vorübergehenden Schließung der Pflegeeinrichtung. Erst nach einer umfassenden Sanierung konnte 1994 die heutige Förderschule für Kinder und Jugendliche mit Behinderung neu übergeben werden.

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