Historisches Sachsen
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Beschreibung
An der Straße zwischen Marienberg und Pockau befinden sich in der Ortschaft Niederlauterstein die erhaltenen Reste der 1304 erstmals urkundlich "Lutirstein" genannten Burg. Sie sind Teile eines aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts stammenden Rund- und eines jüngeren quadratischen Turmes, die mit den Türmen der ehemaligen Burgen Purschenstein und Rauenstein zur ältesten Architektur im Erzgebirge zählen.
Burgnamen, die auf -berg, -burg oder -stein enden, kennzeichnen die im Gebirge typische Spornlage eine Burg. Das ist auch in Lauterstein nicht anders. Die Burg Lauterstein auf einem steilen Felsen am westlichen Ufer der Schwarzen Pockau deckte in früheren Zeiten, wie einst auch Schloss Wildeck in Zschopau, den alten böhmischen Handelsweg, der vor der Gründung Marienbergs im Jahre 1521 von Leipzig nach Prag führte.
Bereits bei der Besiedlung des Erzgebirges hatte die Burg eine erhebliche Bedeutung. In die belegte Geschichte trat Lauterstein 1304 ein, als ein Johannes in Lutirstein, vermutlich ein Angehöriger der Ministerialen von Erdmannsdorf, urkundete.
Bis 1323 befanden sich die Burg und der dazugehörige Feudalbezirk im Besitz der Reichministerialen von Schellenberg. Den erstarkenden Markgrafen von Meißen gelang es jedoch, die Schellenberger - ehemals Stützen der Zentralgewalt - zu vernichten. Burg und Herrschaft Lauterstein verlehnten sie an die Burggrafen Albrecht von Altenburg und Otto von Leisnig und bezogen die Burg dadurch in ihren Machtbereich ein.
Nach dem Verkauf der Burg durch die Burggrafen von Leisnig im Jahre 1434 an die in den Adel aufgestiegene Freiberger Patrizierfamilie von Berbisdorf wurde 1497 das Besitztum in Ober- und Niederlauterstein aufgeteilt und trotz der Enge auf dem Felsen durch die Burg eine sogenannte "Schiedsmauer" gezogen. "Oberlauterstein" geriet im Laufe der Zeit jedoch in Vergessenheit. Der bis in das 15. Jahrhundert verwendete Name Lauterstein wandelte sich in Niederlauterstein und bezog das gesamte Schloss ein. Die Herren von Berbisdorf hatten die Burg bis 1559 in ihrem Besitz. Schließlich mussten sie die Burg an Kurfürst August abtreten. August richtete auf der zwischenzeitlich schlossartig ausgebauten, mittelalterlichen Wehranlage das landesfürstliche Amt Lauterstein ein.
Nach Überlieferungen und auf alten Zeichnungen war die Burg Lauterstein Anfang des 17. Jahrhunderts ein imposanter Bau mit vier Stockwerken. Drei Stockwerke waren aus Stein, das vierte aus Holz. Die Gebäudeflügel sind heute, bis auf die Grundmauern, verschwunden.
Im Mittelpunkt der Anlage stand der Bergfried, ein Rundturm mit etwa 8,5 m Durchmesser und einem tonnengewölbten Zugang in 5 m Höhe. Nordöstlich davon befindet sich heute die Ruine eines quadratischen Turmes aus dem 14. Jahrhundert, an den sich die Grundmauern eines Palas von 12 m Länge und 6 m Breite anschließen. Im Süden und Nordosten wird die Anlage von Zwingmauern begrenzt, im Nordwesten verläuft zwischen beiden Türmen ein Teilstück der "Schiedsmauer", durch die der heutige Zugang führt.
Während des Dreißigjährigen Krieges zogen schwedische Soldaten mordend und brandschatzend umher. Die verängstigten Menschen der Region suchten Zuflucht in den dunklen Wäldern des Erzgebirges. Auch die Bewohner von Burg Lauterstein hatten sich vor den schwedischen Reitern, die das Pockautal hinaufkamen, in Sicherheit gebracht. Ohne Verteidigung hatten die Soldaten leichtes Spiel. Die leerstehende Burg wurde im März 1639 von ihnen - ob vorsätzlich oder fahrlässig ist nicht erwiesen - angezündet und brannte bis auf die Grundmauern ab. Seitdem ist die Burg Lauterstein nur noch als Ruine erhalten. Ihre Steine transportierten die Dorfbewohner ab und verwendeten sie für andere Zwecke.

Burgruine Nidberg


Schräg gegenüber der Burgruine Lauterstein, direkt am Flusslauf der Schwarzen Pockau, sieht man bereits von der Straße aus die Umrisse eines mächtigen Felsens - wegen seines Aussehens "Löwenkopffelsen" genannt.
Dieser Felsen soll einst das Kernwerk der Burg Nidberg getragen haben, die als Schutzburg in Verbindung mit dem alten böhmischen Steig stand. Burg Nidberg wurde in einer Randnotiz des Hersfelder Kopialbuches aus der Mitte des 12. Jahrhunderts erwähnt. Der als Erbauer genannte Werner gehörte zu den Reichsministerialen von Erdmannsdorf, die als siedelführend im Umland angenommen werden. Die Bedeutung des Nidberg stand jedoch hinter der des Lautersteins zurück, so dass man den Nidberg schließlich aufgab.
Das Kernwerk der Burg war durch zwei gebogene Abschnittsgräben vom Hinterland getrennt. Zwischen den Gräben verlief ein gemauerter Wall. Da dieses Befestigungssystem sehr eng vor dem Felsen lag, kann bei der Burg Nidberg von einer sehr kleinen Wehranlage ausgegangen werden, die sich im wesentlichen auf den "Löwenkopffelsen" beschränkt.
In dem völlig eingeebneten Gelände ist heute nichts mehr von der einstigen Burg, die im 14. Jahrhundert verfiel, als der Lauterstein in den Mittelpunkt der Herrschaft trat, zu sehen. Dennoch lohnt ein Aufstieg auf dem alten Hohlweg wegen des schönen Blicks hinunter in das Pockautal.
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Bildergalerie
Burgruine Lauterstein
Löwenkopffelsen
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Stand: 01.11.2009