Historisches Sachsen
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Beschreibung
Das 3.200 Einwohner zählende Erzgebirgsstädtchen Lengefeld liegt idyllisch an einem Höhenzug des Flöhatales. Es erstreckt sich auf fünf Kilometer Länge vom tiefsten Punkt, dem Ortsteil Rauenstein mit 373 Meter über NN, bis zum höchsten Punkt, dem Adlerstein mit 688 Meter über NN. Zur Verwaltungsgemeinschaft Lengefeld gehören seit 1999 die Ortsteile Wünschendorf, Reifland und Lippersdorf.
Das älteste und zugleich bedeutendste Baudenkmal der Stadt Lengefeld ist das reizvoll im Flöhatal gelegene Schloss Rauenstein. Ursprünglich errichtet zum Schutz eines Flöhaübergangs an der Handelsstraße von Freiberg nach Wolkenstein, laden heute zahlreiche schattige Waldwege zu beschaulichen Spaziergängen in seine Umgebung ein, wie z.B. zum Museum Kalkwerk Lengefeld oder zu den Talsperren Neuzehnhain und Saidenbach, die der Wasserversorgung der Stadt Chemnitz dienen.
Die erste urkundliche Erwähnung einer Burg datiert aus dem Jahre 1323. Damals war Rauenstein in den Händen der Waldenburger. Die erste Bebauung fand aber wahrscheinlich schon ca. 100 Jahre früher statt. Der Bau der Burg Rauenstein ist wohl im Zusammenhang mit der Besiedlung des Zschopau- und Flöhatales um oder kurz nach 1200 zu sehen. In dieser Zeit waren die Schellenberger vom Reich eingesetzt, das Flöha- und Pockautal zu kolonisieren.
Als erste Befestigung errichteten die Herren von Schellenberg an der Flöhafurt vermutlich nur einen einfachen "Luginsland". Erst später hatte sich die teilweise in den Fels gearbeitete Burg entwickelt. Als die Herren von Schellenberg Anfang des 14. Jahrhunderts die Gunst des Kaisers verloren, wurden die Herren von Waldenburg mit der Burg Rauenstein belehnt.
Zwischen 1372 und 1567 waren die Herren von Riesenburg, der Markgraf Wilhelm I. von Meißen, die Herren von Waldenburg und Hans von Güntherode Besitzer des Schlosses, bis es schließlich 1567 Kurfürst August erwarb.
August wandelte Rauenstein in ein Amt, das aus der Stadt Lengefeld, drei Dörfern, dem Vorwerk Wünschendorf und Ober- und Unterrauenstein bestand. Die dazu erworbenen zahlreichen Waldungen lassen in Verbindung mit Baumaßnahmen am Schloss die ausgeprägte Jagdleidenschaft des Kurfürsten als Grund für den Besitzerwerb vermuten.
1651 ging Rauenstein dann auf Christoph von Römer über. Reich geworden durch den Schneeberger Silberbergbau, wurde das Geschlecht bereits 1470 in den Adelsstand erhoben. Nachdem der letzte Römer 1743 starb, fanden häufige Besitzerwechsel statt, bis 1843 Eugen Wolfgang von Herder, Enkel des bekannten Dichters Johann Gottfried von Herder, das Anwesen übernahm. Nach 1949 diente Schloss Rauenstein als Kindererholungs- / Kinderkurheim und Sanatorium für Mutter und Kind. 1998 stellte man den Kurbetrieb ein. Mittlerweile hat die Familie von Herder das Schloss Rauenstein vom Landkreis zurückgekauft und bemüht sich um eine sinnvolle Nutzung der Anlage.
An dem schlichten Bau des Schlosses haben viele Jahrhunderte verändernd gewirkt. Um einen quadratischen Bergfried mit Zeltdach gruppiert sich der älteste Teil des Schlosses mit Innenhof, Wehrgang und Schildmauer. Diese ist 1630, beim Anbau des Eingangsgebäudes, überbaut worden, wobei wahrscheinlich auch der vorhandene Halsgraben überwölbt wurde und so der 40 m lange und älteste sächsische Straßentunnel entstand.
Der Fels, auf dem sich ein Teil der Gebäude befindet, reicht bis fast zum 1. Stockwerk. Darüber errichtete man ein Fachwerk, auf dem das steile Satteldach ruht. Durch diverse Um- und Anbauten auf engstem Raum entstand eine regellose, malerische Anlage, deren besonderer Reiz das mit Andreaskreuzen geschmückte Fachwerk von 1629/30 ist.
1907 fügte man bei einem erneuten Umbau ein aufwendiges Sitznischenportal mit dem Wappen der Herren von Herder in die Eingangsfront ein. Die muschelartige Brunnenschale aus weißem Marmor ist ein Geschenk von König Friedrich II.
Von der Innenausstattung des Schlosses sind nur wenige historische Einrichtungsgegenstände erhalten geblieben, so im Fürstensaal ein wertvoller flämischer Gobelin, auf dem eine Hasenjagd dargestellt ist.
Noch heute soll eine Sagengestalt - das "Graue Männel von Rauenstein" - im Schloss umhergehen. Die Sage erzählt von Wolf Dietrich Arras, dem Verwalter der Burg, der nach dem Dreißigjährigen Krieg hier seinen Dienst verrichtete. Stets war er mit einem grauen Umhang und einem grauen Dreispitz auf dem Kopf gekleidet. Vor seinem finsteren Aussehen fürchteten sich die Menschen der Umgebung. Dass er aber auch ein gutes Herz hatte, bewies Arras, als Gaukler in Lengefeld ein Äffchen misshandelten. Er gab ihnen Geld und nahm das Äffchen mit auf die Burg. Zudem konnte Arras aus Kräutern Medizin herstellen, die er selbst brauchte, wenn sein Herz zu schnell schlug.
Eines Tages hielt der Kurfürst ein Jagdlager im Schloss Rauenstein ab. Man feierte drei Tage bis in den frühen Morgen. Als alle betrunken waren, wollte man auch den Verwalter taumelnd sehen, aber Wolf Dietrich lehnte ab. Schließlich fiel ihm sein Fläschchen mit den Herztropfen aus der Tasche. Die Herrschaft glaubte, dass Arras wohl seinen eigenen Trunk habe und flößte ihm und seinem Äffchen davon ein. Beide wurden bleich und fielen zu Boden. Nun sollte der Hofmaler das seltsame Paar an die Wand malen, doch als er damit anfing, bemerkte die Gesellschaft, dass Arras und das Äffchen nicht betrunken, sondern tot waren. Panik brach aus, die Ritter und Edelfrauen stürzten Hals über Kopf aus dem Saal. Am nächsten Morgen befahl der Kurfürst, das Bild zu übermalen. Doch kaum war die Farbe getrocknet, fiel sie auch schon wieder von der Wand ab und Arras kam erneut zum Vorschein. Bis zum heutigen Tag ist es niemandem gelungen, das Bild aus dem Schloss Rauenstein zu beseitigen. So erinnert es auch heute noch an die Tat.
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Bildergalerie
Schloss Rauenstein
Flöhatal
Südfront mit Eingangsportal
Ostfront des Schlosses
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Stand: 01.11.2009