Historisches Sachsen
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Beschreibung
Selten wird ein Schloss so stilvoll in Szene gesetzt, wie das Jagdschloss Moritzburg. Kommt man von der Residenzstadt Dresden auf der kilometerlangen Allee auf Moritzburg zugefahren, spürt man noch heute die Stimmung, die das Vergnügen der Jagd dem sächsischen Hof geboten haben muss.
Am Rande der Weinstraße liegt idyllisch in einer Teichlandschaft das mit seinen vier Türmen charakteristische Jagdschloss der Wettiner. Das ursprüngliche Schloss nordwestlich von Dresden ist nach Herzog Moritz benannt. Es gehörte zu den ersten Renaissancebauten Sachsens und bildete den Kern des heutigen Jagdschlosses, das unter der Leitung von Matthäus Daniel Pöppelmann entstand. Trotz seiner Nähe zur Landeshauptstadt vermittelt das Schloss nicht nur den Eindruck vergangenen fürstlichen Wohllebens, sondern auch ländlicher Beschaulichkeit.
Jagdschloss Moritzburg, eines der bedeutendsten Barockbauwerke in Sachsen, bietet Ästhetik pur von außen und Vergangenheit in lebendiger Gegenwart innen. Harmonisch in die natürlichen Gegebenheiten eingebettet, wird die Schlossanlage in ihrer Gesamtheit zu einem besonderen Erlebnis.
Die vier mächtigen Rundtürme, die durch eine umlaufende Wehrmauer verbunden wurden, bestimmten seit seinen Anfängen das Bild des Moritzburger Ensembles. Die Mauern in den Farben des sächsischen Barocks - ocker und weiß - spiegeln sich im umgebenden Teich, der bereits zur Zeit Augusts des Starken den Charakter der Moritzburger Kulturlandschaft prägte. Zu den beliebtesten Amüsements der Moritzburger Herren und ihrer Gäste gehörten Parforcejagden mit Hunden. Im eigens für die Jagd mit Wegen und Alleen präparierten Friedewald tummelte sich schon vor 400 Jahren das für die Jagd gehegte Wild. Die Trophäen können heute noch in den Sälen und Zimmern bewundert werden.
Bereits 1542-46 ließ Herzog Moritz von Sachsen am Rande des Friedewaldes, der ein bevorzugtes Jagdrevier der sächsischen Kurfürsten und Könige war, auf einer Landzunge ein schlichtes Renaissanceschloss als Jagdsitz nach Entwürfen der Architekten Hans von Dehn-Rothfelser und Caspar Voigt von Wierandt errichten - die Moritzburg. Das etwa 30 m x 60 m große Schloss stand in einem ummauerten Hof mit vier runden Ecktürmen.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts baute dann der Baumeister des Dresdner Zwingers, Matthäus Daniel Pöppelmann, im Auftrag Augusts des Starken das heutige Wasserschloss als repräsentative Jagdresidenz mit vier Prunksälen und über 200 Räumen um. Die nach dem Umbau H-förmige Anlage bezog die Rundtürme mit ein und erhöhte sie. Die architektonische Gliederung ist, wie bei vielen sächsischen Barockanlagen, in den Tönen ocker und weiß aufgemalt.
Das Jagdschloss ist vollständig von einer Terrassenanlage umgeben, die mit Statuen von Johann Christian Kirchner und Benjamin Thomae geschmückt ist. Den künstlerischen Schmuck auf der Balustrade bilden neben sechs überlebensgroßen Jägerfiguren zahlreiche, in zwanglosem Wechsel aufgestellte Vasen und Kinderfiguren. Ihre Entstehung fällt in die Jahre 1728 bis 1733.
In ihrer Gestaltung unterstreichen die Skulpturen den Charakter von Moritzburg als Jagd- und Lustschloss. So blasen Jäger das Parforcehorn, spielen Kinderfiguren mit Jagdhunden, tragen ein erbeutetes Stück Wild oder zeigen sich auf einem Vasenfries kleine Putten beim Fischfang. Am Hauptaufgang stehen 2 m hohe Statuen von Piqueuren.
Jagdschloss Moritzburg ist heute ein hervorragendes Barockmuseum, das jedes Jahr zahlreiche Besucher anzieht. Im Innern befinden sich vor allem kostbare Barockmöbel, Porzellane und Gemälde. Von kulturhistorisch einmaligem Wert sind die barocken Ledertapeten. Der Bestand in Moritzburg ist der weltweit größte. Von den ehemals 60 Räumen mit der Ausstattung an ornamentalen Tapeten haben sich bis heute 11 erhalten. Hinzu kommen zwei Säle mit wandhohen auf Leder gemalten Gemälden, die Geschichten um die antike römische Jagdgöttin Diana sowie Jagdszenen vom sächsischen Hof darstellen. Die oft als "Goldleder" bezeichneten Tapeten erhalten ihren charakteristischen Oberflächeneffekt durch eine vollflächige Versilberung des Leders und eine darüberliegende gelbbraune Lackschicht.
Neben den wertvollen Ledertapeten beherbergt das Jagdschloss Moritzburg auch die bedeutendste Geweihsammlung Europas mit Trophäen von Rothirschen, Rentieren und Elchen. Ihre Berühmtheit erlangte sie vor allem durch den Bestand an außergewöhnlich starken Rothirschtrophäen im Festsaal, in dem sich auch das weltstärkste Rothirschgeweih befindet: ein 24-Ender mit fast 20 kg Gewicht. Ergänzt wird die Sammlung durch Rot- und Damhirschgeweihe in den Wagenhallen und Haupttreppenhäusern.
Lohnenswert ist auch ein Spaziergang durch die Parkanlagen des Schlosses und den benachbarten Friedewald.
Bereits während der Umbauten des Moritzburger Jagdschlosses unter August dem Starken entstand 1728 am Endpunkt der mittleren von insgesamt neun radial verlaufenden Sichtschneisen durch den Friedewald eine Fasanerieanlage, die der Zucht von Jagdfasanen für die königliche Tafel diente. Zentrum war ein Pavillon, der um 1739 unter der Leitung von Johann Christoph Knöffel vergrößert wurde. Nach Verwüstungen im Siebenjährigen Krieg begann Kurfürst Friedrich August III. 1769 mit dem Wiederaufbau der Anlage.
Oberkammerherr Camillo Graf Marcolini ließ für den Kurfürsten durch den Architekten Johann Daniel Schade das Fasanenschlösschen in chinoisen Formen neu errichten. Dabei bezog Schade Teile des Vorgängerbaus mit ein. Das Fasanenschlösschen gilt als einer der wichtigsten höfischen Bauten des sächsischen Spätbarocks, birgt es doch im Inneren eine Vielfalt an original erhaltenem Interieur des ausgehenden 18. Jahrhunderts.
Seine Ausstattung mit kostbaren Tapeten aus Federn, Stroh- und Perlengeflecht sowie handgestickten Seidentapeten unterstreicht den hohen höfischen Anspruch. Die Dachlaterne wird von zwei Figuren geschmückt: einem sitzenden Mandarin mit Ehrenschirm, der bei Windeinwirkung mit dem Kopf nicken kann, sowie einer Knabenfigur.
Nach 1815 wurde die intensive Fasanenhaltung eingestellt und nur noch die Schauvolieren mit Edelfasanen und anderen exotischen Vögeln beibehalten.
Für die Jagden der höfischen Gesellschaft waren auch Pferde erforderlich, die ab 1733 in geräumigen Stallanlagen standen, dem heutigen sächsischen Landesgestüt. Wenn das Landesgestüt am 1. Septembersonntag zur großen Hengstparade einlädt, kommen tausende Pferdefreunde aus ganz Deutschland nach Moritzburg. Den Abschluss der Parade bilden traditionell 16 Hengste in einem Zug.
Im Großteich östlich des Fasanenschlösschens ließ der kurfürstliche Hof gern grandiose Seeschlachten, die zwischen künstlichen Inseln und Felsen mit Gondeln und Fregatten ausgetragen wurden, imitieren. 1775/76 kam sogar eine kleine Hafenanlage mit Mole und Leuchtturm hinzu. Der historische Hintergrund war die Schlacht bei den Dardanellen im Jahre 1770 zwischen der Flotte der russischen Kaiserin Katharina der Großen sowie der türkischen Flotte, die siegreich für die Russen endete.

Der Lößnitzdackel
Nutzen Sie für die Anreise zum Jagdschloss Moritzburg auch die Kleinbahn von Radebeul-Ost nach Radeburg. Die 1884 eröffnete Strecke der Lößnitzgrundbahn mit einer Spurweite von 750 mm hat eine Länge von 16,5 Kilometer. Sie gehört zu den ältesten Schmalspurbahnen Deutschlands.

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Bildergalerie
Jagdschloss Moritzburg
Jagdschloss Moritzburg
Jagdhornbläser
Fasanenschlösschen
Mandarin mit Ehrenschirm
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Stand: 01.11.2009