Historisches Sachsen
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Gaschwitz   
 
Allgemeines
 
Information

Landkreis Leipzig

Beschreibung
Die Geschichte des Rittergutes Gaschwitz geht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Schon 1350 ist im Lehnbuch Friedrichs des Strengen, Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen, der Herrensitz eines Johannes Porzcik de Godiswicz genannt. Doch der Ort besteht schon viel länger. Ausgehend vom slawischen Ortsnamen kann man von der Anlage des Ortes durch slawische Siedler ausgehen. In seiner Blütezeit im 18. und 19. Jahrhundert verfügte das Rittergut neben Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, mehreren Teichen, Wirtschaftshöfen und Anbauflächen auch über Gärten mit einer Orangerie sowie ausgedehnten, landschaftlich gestaltete Parkanlagen. Von diesen gingen im Laufe der Jahrzehnte jedoch große Flächen in Folge des Braunkohleabbaus verloren. Darüber hinaus stellt die Hofanlage des Rittergutes ein hervorragendes Ensemble der über viele Jahrhunderte historisch gewachsenen Bausubstanz dar. Um so bedauerlicher ist es, dass Teile dieses Ensembles, darunter das Herrenhaus und das Gutsverwalterhaus (altes Herrenhaus), seit mehreren Jahren leerstehen und sich der inzwischen verwilderte Park in einem unsanierten Zustand befindet.
Das Gut Gaschwitz steht in seiner Sachgesamtheit mit neuem Herrenhaus, Gutsverwalterhaus, südlichem Torhaus, Orangerie, Kopfbau des östlichen Wirtschaftsgebäudes sowie nördlichem Torhaus, vier Wirtschaftsgebäuden und Resten der Toranlage unter Denkmalschutz. Die Zufahrt auf den Gutshof erfolgt von der Hauptstraße des Ortes im Westen. Zwei barocke, zweigeschossige und von Mansardwalmdächern bedeckten Torhäuser aus der Zeit um 1725 flankieren sie. An das südliche Torhaus schließt sich nach Osten eine eingeschossige, barocke Orangerie mit einfacher Putzgliederung an, die heute als Begegnungszentrum des Ortes genutzt wird. Ihre großen Rundbogenfenster sind nach Süden zum früheren Garten gerichtet. Die Zufahrt auf das Hofgelände endet am Gutsverwalterhaus, das den südlichen Abschluss des Hofes bildet. Der kleine, zweigeschossige und fünf Fensterachsen breite Bau mit Fachwerkobergeschoss und Mansarddach wurde zu Beginn des 18. Jahrhundert durch Georg Friedrich von Hopfgarten errichtet. Über dem mittig angeordneten Portal auf der Nordseite fällt ein profilierter Türsturz mit Schlussstein auf. Der Dachreiter mit geschweifter Schieferhaube und Uhr ist erst 1759 bei einer Modernisierung unter Rahel Sophia von Bose aufgesetzt worden.
Linker Hand zum Gutsverwalterhaus erhebt sich das neue Herrenhaus anstelle eines Vorgängerbaus aus dem 18. Jahrhundert. Das Herrenhaus ist ein 1903 nach Plänen des in Norwegen geborenen Architekten Peter Dybwad errichteter zweigeschossiger Putzbau mit neobarocken und neoklassizistischen Fassadenelementen, Mansarddach, stehenden Gauben und einem nördlichen Anbau mit Seiteneingang. Die neunachsigen Garten- und Hoffassaden erhielten eine symmetrische Gliederung mit Mittelrisalite, ionische Pilaster bzw. Halbsäulen sowie Dreieckgiebel. Im Obergeschoss der Gartenseite öffnen sich zwischen den Halbsäulen kleine Loggien. Eine vorgebaute Terrasse zum östlichen Garten wurde 1986 verändert. Die Hofseite beleben zwei seitliche Standerker. Hier befand sich auch der mittig angeordnete Haupteingang zum Herrenhaus, der jedoch 1947 mit der Einrichtung einer Schule im Herrenhaus an die Nordseite verlegt wurde. Im Zusammenhang mit der Schulnutzung entstand zudem 1985 ein freistehender Schornstein unmittelbar vor dem früheren Haupteingang, der seitdem die Fassade verstellt. Auf der Südseite des Herrenhauses befindet sich eine halbrunde Veranda mit Ausgang zum Garten. Mehrere Wirtschaftsgebäude umschließen den Wirtschaftshof. Die Gebäude sind teilweise saniert und werden derzeit gewerblich genutzt.
Der alte Herrensitz in Gaschwitz befand sich lange Zeit in den Händen verschiedener adliger Familien. Die Herren von Pflugk und von Erdmannsdorf waren hier genauso angesiedelt, wie die Familien von Lindau und von Zehmen. Georg Friedrich von Hopfgarten, Kommandeur der Pleißenburg in Leipzig, verkaufte 1716 das Rittergut an den Leipziger Juristen Benjamin Magen. Insbesondere sein Sohn Dr. Ludwig Magen ließ umfangreiche Veränderungen und Modernisierungen vornehmen. Es entstanden neben dem alten ein neues Herrenhaus, die Torhäuser und der Wirtschaftsbereich. Dr. Ludwig Magen war es auch, der die Gestaltung der Gartenanlage im barocken Stil, in der die Orangerie und Gärten durch Wegeachsen, Treppen und Baumreihen miteinander in Beziehung gesetzt wurden, vorantrieb. Eine weitläufige Gartenanlage mit Gartenparterres, Broderien, Freitreppen, eingefasste Schmuckbeete, Skulpturen, Kübelpflanzen und Gehölze war symmetrisch auf die Orangerie ausgerichtet.
1761 ging der Besitz von der Familie Magen an die Familie von Leyser über und 1834 erwarb der Leipziger Jurist Dr. Christian Gottlob Eduard Friderici den Hof. In die Zeit der Familie Friderici fällt auch eine wesentliche Veränderung der Hofgestaltung: Um gegen Hochwasser der Pleiße gewappnet zu sein, fand 1876 eine Verlegung und Begradigung des Flusses zwischen Gaschwitz und dem südlicher gelegenen Großdeuben nach Osten statt. Dabei wurden vier der sechs Teiche, die bis dahin das Gut umgaben, im Zuge der Pleißeregulierung zugeschüttet. Übrig blieben nur noch der östlich gelegene Margarethenteich sowie der Teich um das Herrenhaus. Darüber hinaus ist der barocke Ziergarten einer Nutzgartenanlage gewichen, die jedoch weiterhin die frühere axiale Gliederung aufwies. Diese Anlage wurde jedoch um einen landschaftlichen Park erweitert, der sich etwa auf der Fläche der früheren Teiche weit nach Süden in Richtung Großdeuben erstreckte.
1903 veranlasste Else Plantier, die Enkelin von Dr. Friderici, den Bau des heute noch bestehenden neuen Herrenhauses. Dazu gewann sie den Leipziger Architekten Peter Dybwad, der sich mit dem Bau eleganter Villen und Landhäuser, insbesondere in Leipzig, einen Namen gemacht hatte. 1905 konnte Else Plantier das von Grund auf neu errichtete herrschaftliche Gebäude beziehen. Im Zuge des Neubaus wurde auch die Umgebung des Herrenhauses neu gestaltet. Auf der Ost- und der Südseite des Herrenhauses entstand anstelle des früheren Teiches eine Gartenanlage mit Rasenflächen oder Beeten.
Nachfahren der Familie Plantier mussten das Rittergut 1925 mit allen Flächen und Gebäuden zur geplanten Ausbeutung von Braunkohlevorkommen an die Aktiengesellschaft Sächsische Werke verkaufen. Der Gutsbetrieb lief jedoch unter einem Verwalter weiter. Darüber hinaus wurde die Pleiße in den nachfolgenden Jahren zwischen Regis-Breitingen und Markkleeberg infolge des Braunkohlentagebaus nahezu vollständig verlegt. Im Bereich Gaschwitz erfolgte die Verlegung um das Jahr 1960. Damit rückte das Flussbett nun deutlich an das Herrenhaus heran, wobei große Teile des Parks sowie der Margarethenteich verschwanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden das Gut in ein Volkseigenes Gut umgewandelt, im neuen Herrenhaus zunächst Umsiedler einquartiert und ab 1947 dann die bis 1999 existierende Schule eingerichtet. Damit einher gingen auch Änderung der Raumgliederung und die Verlegung des Eingangs. Weitere Veränderungen auf dem ehemaligen Rittergutsgelände erfolgten 1972 durch den Abbruch mehrerer Wirtschaftsgebäude um das Gutsverwalterhaus und die Nutzung des Gutshofes durch den VEB Technische Gebäudeausrüstungen und weiterer Nachfolgeeinrichtungen als Produktions- und Materiallagerstätte. Seit 2000 ist die Stadt Markkleeberg Eigentümerin des gesamten Gutsbereiches. Zwischenzeitlich sind beide Torhäuser und die Orangerie saniert worden. Die Orangerie dient heute als Begegnungsstätte des Ortes.
 
Bildergalerie
Orangerie
Gutsverwalterhaus
Neues Herrenhaus
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