Historisches Sachsen
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Geschichte der Sachsen

Die Geschichtsschreibung des Freistaates Sachsen mutet etwas verwirrend an. Man muss berücksichtigen, dass das Gebiet des heutigen Freistaates Sachsen keinesfalls mit dem Stammesgebiet des Volkes der Sachsen übereinstimmt, sondern dass der Name "Sachsen" lediglich auf Grund der Übernahme der Kurwürde durch Friedrich den Streitbaren, Markgraf von Meißen, vom originären Territorium der Sachsen am Unterlauf der Elbe auf das Territorium der Mark Meißen am Oberlauf überging. Als Abgrenzung zur meißnisch-osterländischen Bevölkerung im ehemaligen wettinischen "Obersachsen" wird für die heutigen Bewohner im Kern des originären Siedlungsgebiets der Name "Niedersachsen" verwendet.

Das Herzogtum Sachsen


Die Geschichte der Sachsen ist bis heute unklar. Man geht davon aus, dass das Volk der Sachsen ein westgermanischer Stammesverband war, der sich im 3. Jahrhundert bildete und ab dem 4. Jahrhundert sicher belegt ist. Die Stämme dieses Verbandes (Angrivarier, Cherusker, Chauken) lebten im 1. Jahrhundert im Nordwesten des heutigen Deutschlands und im Osten der heutigen Niederlande. Dabei standen zumindest Teile der Sachsen immer wieder in einer losen Abhängigkeit zum Frankenreich, bis sie von Karl dem Großen endgültig unterworfen wurden.
Der an der Nordseeküste lebende Stammesverband der Germanen nutzte ein kurzes Schwert, das sie "Sahs" oder "Sax" nannten. Der Name dieser Waffe gab dem Verband wohl seinen Namen. Lange Zeit schrieb man dem griechischen Geografen und Astronomen Ptolemäus die Namensgebung im 2. Jahrhundert zu. Die Zuverlässigkeit dieser Angaben wird heute jedoch sehr in Frage gestellt. So bleibt als früheste zeitgenössische und somit gesicherte Nennung eine Rede des späteren Kaisers Julian aus dem Jahre 356, wo der Name der Sachsen im Zusammenhang mit dem Volk der Franken genannt wird.
Trotz zahlreicher Nennungen in spätantiken Quellen sind die Sachsen bis etwa 450 nicht näher geographisch fassbar. Sie treten in den Quellen dieser Zeit nur als kriegerische Seefahrer auf, deren Herkunft in der Regel im Dunkeln bleibt. Man vermutet, es könnte sich bei dem Namen Sachsen anfangs eher um eine Art Sammelbezeichnung für Raubscharen an den gallischen und britischen Küsten gehandelt haben, die übers Meer kamen.
In den darauffolgenden Jahrhunderten eroberten sächsische Stämme weite Teile Niederdeutschlands und gliederten die dort lebenden germanischen Stämme ihrem Stammesverband ein. Im 8. Jahrhundert reichte ihr Siedlungsgebiet von der Elbe bis nahe an den Rhein und von der Eider in Holstein bis an den Harz.
Von der Völkerwanderung kaum berührt, bewahrten die Sachsen bis zur Unterwerfung durch Karl den Großen die alte germanische Stammesverfassung ohne König, mit der Versammlung der Freien, dem Thing, zur Regelung aller politischen Angelegenheiten. Herzöge übernahmen nur in Kriegszeiten Führungsrollen.
919 wurde mit Heinrich I. ein Sachse deutscher König. Seine Nachfolger waren Otto I. (Otto der Große), Otto II. und Otto III. Mit Otto I., dem Sohn Heinrichs I., wurde am 02.02.962 in Rom ein Sachse zum ersten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt. Der Tod Heinrichs II. im Jahre 1024 beendete die Epoche der Sachsenkaiser.
Bevor 101 Jahre später einem Sachsenherzog erneut die deutsche Krone aufgesetzt wurde, lag die Herrschaft des Reiches bei den Saliern. Im Herzogtum Sachsen sorgten die Billunger für Ordnung. Als 1106 mit Magnus der letzte Billunger im Mannesstamme ausstarb, verlieh Kaiser Heinrich V. das Herzogtum dem sächsischen Grafen Lothar von Süpplingenburg, einem der reichsten Grundherrn im Norden. Im August 1125 wählten die deutschen Fürsten den bereits über 60-jährigen zum deutschen König, obgleich der Herzog von Schwaben - ein Staufer - Vorrang gehabt hätte. So blieben Streitigkeiten nicht aus. Um gegen die rebellierenden staufischen Kontrahenten genügend Rückhalt zu haben, verheiratete König Lothar 1127 seine Tochter mit Heinrich dem Stolzen, dem Herzog von Bayern, aus dem Geschlecht der Welfen. Vor seinem Tod 1137 hatte Lothar seinen Schwiegersohn Heinrich den Stolzen auch noch mit dem Herzogtum Sachsen belehnt, in der Hoffnung, dieser werde den deutschen Thron besteigen. Doch hier irrte Lothar: Die Fürsten entschieden sich für Konrad - einem Staufer. Heinrich aber griff zu den Waffen und verlor beide Herzogtümer. Bald darauf starb er. Das Ringen um die Herzogtümer endete 1142 mit einer Versöhnung und dem Sohn Heinrichs des Stolzen - später Heinrich der Löwe genannt - wurde wenigstens das Herzogtum Sachsen übertragen. Schließlich erhielt er 1156 auch noch von Friedrich Barbarossa das Herzogtum Bayern zurück.

Die Zerschlagung des Herzogtums Sachsen


Das Gebiet des Herzogtums Sachsen unter Heinrich dem Löwen (1129-95) erstreckte sich über fast ganz Norddeutschland und bildete ein norddeutsches Königreich, das in Konkurrenz zu Kaiser Friedrich I. (Friedrich Barbarossa) stand. Als Heinrich 1176 dem Kaiser die Heerfolge nach Italien verweigerte und Vorladungen zum Reichstag missachtete, wurde die Zertrümmerung dieses allzu großen Herzogtums beschlossen. Heinrich der Löwe war ein Geächteter. Der Fürstentag zu Gelnhausen im April 1180 sprach ihm das Herzogtum Sachsen ab und der Reichstag zu Regensburg im Juni 1180 das Herzogtum Bayern. Das Herzogtum Sachsen, das in seiner Ganzheit immer eine Bedrohung der kaiserlichen Macht dargestellt hatte, wurde in viele Einzelterritorien zersplittert. Heinrich dem Löwen blieben Braunschweig und Lüneburg und der Name Herzogtum Sachsen haftete nur noch einem kleinen Landesteil an der Elbe an, mit dem Bernhard von Askanien belehnt wurde. In der Goldenen Bulle erhielten die Askanier als Herzöge von Sachsen-Wittenberg von Kaiser Karl IV. 1356 dauerhaft die Kurwürde zugesprochen.
Am 6. Januar 1423 wurde dieser Teil vom Kaiser Siegmund dem Markgrafen von Meißen, Friedrich den Streitbaren, verliehen, nachdem der letzte Askanier der Wittenberger Linie 1422 im Mannesstamme ausstarb. Mit Friedrich den Streitbaren begann die Herrschaft des Hauses Wettin. Gleichzeitig übernahm er die Kurwürde. Der Name Sachsen ging nun infolge der höheren Würde des Titels "Kurfürst von Sachsen" auch auf die übrigen Besitzungen des Hauses Wettin, Meißen und Thüringen, über, wodurch das heutige Bundesland Sachsen seine Bezeichnung bekam. Zur besseren Unterscheidung wurde dieses neue Herzogtum Sachsen noch lange als Obersachsen, das Gebiet des ehemaligen Landes Sachsen an der unteren Elbe und Weser als Niedersachsen bezeichnet.

Die Teilung Sachsens


Die folgende Jahre waren bestimmt von Landgewinn und Landverlust. 1485 wurde das wettinische Territorium unter den Brüdern Ernst und Albrecht aufgeteilt. Eine Kommission bereitete die Leipziger Teilung unter Beachtung der Erträge der Region vor. Der eine sollte die Würde des Herzogs von Sachsen erhalten, der andere die Kurwürde. Da Kurfürst Ernst den Teilungsvorschlag einbrachte, durfte sein jüngerer Bruder Albrecht seine Herrschaftsgebiete zuerst wählen. Während sich Albrecht für die Herzogwürde und damit für den Hauptteil der Mark Meißen, Leipzig und Nordthüringen entschied, erhielt Ernst das Kurfürstentum Sachsen-Wittenberg, das mittlere und südliche Thüringen und das Vogtland. Dresden wurde Hauptstadt des albertinischen Sachsens; Ernst wählte Torgau (später Wittenberg) als Residenz. Doch diese Teilung hatte für Sachsen verhängnisvolle Nachteile. Während Herzog Albrecht das Primogeniturrecht für sein Herrschaftsgebiet einführte und damit eine weitere Zerstückelung verhinderte, zersplitterte das ernestinische Sachsen weiter in kleine Teile.
Mit der Reformation setzte eine weitere folgenreiche Umgestaltung in Sachsen ein. Der an der Wittenberger Universität lehrende Dr. Martin Luther trat 1517 dem Ablasshandel mit 95 Thesen entgegen und verurteilte die weltliche Macht, mit der sich die Päpste ausgestattet hatten. Ausgelöst durch die Reformation führten die unterschiedlichen Positionen gegenüber der neuen Lehre zu harten Konflikten zwischen den beiden Linien der Wettiner. Während sich Johann der Beständige im ernestinischen Sachsen für die Reformation einsetzte, ereiferte sich Georg der Bärtige im albertinischen Sachsen gegen sie. Der Konflikt erreichte seinen Höhepunkt 1547. Es entbrannte der Schmalkaldische Krieg. Der Kaiser besiegte die Protestanten. Die Kurwürde ging vom ernestinischen auf das albertinische Sachsen über. Seitdem ist das albertinische Sachsen nicht nur Herzogtum, sondern Kurfürstentum.

Sachsen im Dreißigjährigen Krieg und danach


Nach der ersten Phase der Reformation versuchten die katholischen und protestantischen Landesherrn ein Mächtegleichgewicht zu finden. Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 sicherte den weltlichen Landesherrn und freien Städten ein freies Recht zur Konfessionswahl zu. Es galt der Grundsatz: Die Herrschaft bestimmt das Bekenntnis. Mit dem weiteren Ausbreiten der Reformation am Ende des 16. Jahrhunderts und dem Wiedererstarken des Katholizismus versiegte jedoch die Kompromissbereitschaft. Die Fürsten strebten danach, verloren gegangene Positionen zurück zu gewinnen. Schließlich begann mit dem Prager Fenstersturz der Dreißigjährige Krieg.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) war Sachsen wiederholt Kriegsschauplatz. Städte wurden geplündert, Dörfer verwüstet. Die Bevölkerungszahl Sachsens sank auf die Hälfte. Die Bevölkerung musste die Gräuel des Krieges ertragen, bis Sachsen schließlich besiegt wurde und man einen Waffenstillstand vereinbarte, der den Sachsen Neutralität gab.
In den folgenden Jahrzehnten bemühten sich die Kurfürsten, die Kriegsschäden zu beseitigen. Friedrich August II. hatte die Nachfolge seines Vaters angetreten und auch dessen Kunstsinn geerbt. Dresden begann, sich zu einer Kunststadt von europäischem Rang zu entwickeln. In den Jahren 1763 - 1827 erfolgte eine Stabilisierung der Wirtschaft unter Kurfürst Friedrich August III. Durch die unliberale Haltung König Friedrich August II. kam es zu einer revolutionären Situation in Sachsen. Der Dresdner Maiaufstand wurde mit Hilfe preußischer Unterstützung niedergeschlagen. Unter König Johann erfolgte dann ab 1860 eine Liberalisierung der Innenpolitik und 1871 ging Sachsen als ein Land in das neugegründete Deutsche Reich ein.
Die Zunahme des Einflusses der Sozialdemokratie im sächsischen Landtag bestimmte die weiteren Geschicke Sachsens. Die Novemberrevolution 1918 schließlich bedeutete das Aus für das deutsche Kaiserhaus und alle in den Ländern regierenden Dynastien. Das traditionsreiche Fürstengeschlecht der Wettiner hatte damit seine Mission beendet.

Sachsen im 20. Jahrhundert


Die neue Landesregierung wurde zum überwiegenden Teil aus Sozialdemokraten gebildet. Nach dem Scheitern einer Koalition mit den Kommunisten (1923) bestand die politische Tendenz in einem stetigen Entfernen vom linken Flügel. In den Jahren vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten regierte in Sachsen ein aus deutscher Volkspartei und der Deutschnationalen Partei bestehendes Kabinett.
Nach Kriegsende veranlasste die Rote Armee in der sowjetischen Besatzungszone die Errichtung von Landesverwaltungen. Am 23. Juli 1952 wurde die DDR in neu geschaffene Verwaltungsbezirke eingeteilt. Erst 38 Jahre später entstand Sachsen wieder im Wesentlichen aus den Bezirken Dresden, Leipzig und Chemnitz.
Sachsens Wohlstand beruht auf dem Einfallsreichtum und der Tüchtigkeit seiner Menschen. Unzählige große Geister haben die Sachsen hervorgebracht: den Reformator Martin Luther, den Rechenmeister Adam Ries, den Dichter Gotthold Ephraim Lessing, die Musiker Johann Sebastian Bach, Robert Schumann und Richard Wagner, den Buchschreiber Karl May und nicht zuletzt August den Starken. Mit dem berühmtesten Wettiner zog Pracht in das Sachsenland ein und Dresden machte er zu einer der schönsten Kunst- und Kulturstädte Europas.

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