Historisches Sachsen
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Beschreibung
Planitz, nur wenige Kilometer südlich vom Zwickauer Stadtbereich gelegen, war der Stammsitz der 1192 in Merseburg erstmals mit Ludewicus de Plawnicz genannten Adelsfamilie von der Planitz. Ausgehend von dieser urkundlichen Nennung muss die Anlage einer Burg in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts gelegt werden. Planitz markiert als Wehranlage und Ort damit das Südende des Gaues Zwiccowe, der sich von Waldenburg südwärts auf beiden Ufern der Zwickauer Mulde erstreckte und mit der Reichsstadt Zwickau das wirtschaftliche Zentrum bildete.
Die Burg bezog über dem Muldetal eine mäßige Gipfellage. Wenngleich sich mittelalterliche Wehrbauteile oberirdisch nicht erhalten haben, sprechen Indizien für eine einst zweiteilige ovale Anlage. Der Ort Planitz legt sich unregelmäßig an den Fuß der Bergkuppe an. In kriegerischen Auseinandersetzungen stand die Burg mehrfach im Mittelpunkt. So wüteten 1430 die Hussiten im Dorf und brannten die Burg und mehrere Gehöfte und Häuser nieder. Der anschließende Neuaufbau des Herrensitzes ersetzte die mittelalterliche Burg durch ein Schloss im spätgotischen Stil. Eine Darstellung befindet sich auf einem Epitaph in der Schlosskirche. Das ummauerte Schloss ist mit Vorhangbogenfenstern, schmuckreichen Giebeln und einem seitlich stehenden Turm abgebildet.
Die Adelsfamilie von der Planitz besaß den Herrensitz bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts. 1572 verkaufte Christoph von der Planitz den Stammsitz seiner Familie an Georg von Schönburg. Bereits sieben Jahre später erwarb der Juraprofessor der Wittenberger Universität, Diplomat, Kirchen- und Schulvisitator Dr. jur. Joachim von Beust das Anwesen. Der Name "von Beust" ist u.a. durch Stiftungen und die großzügige Förderung des Umbaus der Schlosskapelle St. Niclas zur Schlosskirche eng mit Planitz verbunden. Nach mehreren Besitzerwechseln gelangte Planitz 1623 an Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen. Gleichzeitig begann im Dreißigjährigen Krieg aber auch eine Zeit der Not. 1625 forderte die Pest zahlreiche Tote. Nur wenige Jahre später plünderte der kaiserliche General Holk bei der Besetzung Zwickaus auch Planitz. Im Juli 1640 brannten schwedische Reiter des Generals Johann Baner Schloss und Rittergut nieder. Das Rittergut musste für einige Jahre verpfändet werden, kam 1676 aber wieder an den Kurfürsten zurück. Schließlich vereinbarte der jagdbegeisterte Kurfürst 1689 mit der Familie von Arnim einen Tausch des Schlosses Pretzsch an der Elbe gegen Planitz bei Zwickau, Walda bei Großenhain und Neusorge bei Mittweida.
Der Kammerherr Johann Georg von Arnim zögerte nicht lange und veranlasste an der Wende des 17. zum 18. Jahrhundert anstelle des stark ramponierten Herrensitzes in Planitz einen Neubau von Schloss und Gutsgebäuden, die man nunmehr zu einem Viereck zusammenfasste. Die Schauseite bildet der 16 Fensterachsen breite Ostflügel. Von seiner barocken, zweigeschossigen Fassade im hellen Ocker heben sich die weißen Architekturgliederungen ab. Unterbrochen wird der Ostflügel durch zwei Portale, die in den Schlosshof führen. Über ihnen ist jeweils das Wappen der Familie von Arnim angebracht. Bemerkenswert ist die räumliche Aufteilung des Gevierts, das die Wirtschaftsgebäude integrierte. So nahmen die Flügel auch Kuh- und Schweinestallungen, Stroh- und Getreidespeicher und die Wagenremise auf. Erst beim Betreten der Anlage eröffnet sich dem Besucher der Blick zum Wohnflügel an der Nordseite des Hofes. Seine Fassadengliederung gleich der des Ostflügels, wird aber durch einen dreigeschossigen Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel aufgelockert. Ein Schmuckfeld über dem Portal zeigt zwei Engel mit einer Kartusche und Monogramm des Hausherrn. Im Herrschaftshaus befanden sich die Wohnräume der Familie von Arnim. Von der Eingangshalle führt eine Treppenanlage in den Festsaal, der die beiden Obergeschosse des Mittelrisalits einnimmt.
Gegenüber auf der anderen Seite der Straße befindet sich der Schlosspark, der aus einem früheren Lustgarten hervorgegangen ist. Eine kurze Allee führt zum einstigen Teehaus aus dem Jahre 1789. Die Inschrift "C. v. A. 1789" auf der Wetterfahne verweist auf das Baujahr und den damaligen Schlossherrn Carl Christoph von Arnim. Der zweigeschossige Pavillon besitzt mit seiner umlaufenden Galerie und dem auskragenden Dach Einflüsse der Chinoiserie. Eine Freitreppe, die das Obergeschoss erschließt, wurde 1935 davorgelegt. Um 1870 ließ Isolde von Arnim den Schlosspark von Eduard Petzold vergrößern und in einen englischen Landschaftspark umgestalten. Dabei betonte der Gartengestalter die Blickachse zwischen dem Schloss und dem Teehaus durch eine herrschaftliche Kastanienallee. Eduard Petzold kam als Sohn des Pfarrers Carl Friedrich Christian Petzold 1826 nach Muskau und wurde Lehrling in der Gärtnerei des Parkschöpfers Fürst Hermann von Pückler-Muskau. Durch dessen Hofgärtner und späteren Parkinspektor Jacob Heinrich Rehder grundlegend gefördert, entwickelte er Pücklers Ideen eigenständig weiter. Petzold konzipierte weit über 100 Park- und Gartenanlagen in ganz Europa und erreichte 1852 mit der Ernennung zum Parkdirektor der Niederlande seinen beruflichen Höhepunkt.
Mit der beginnenden Industrialisierung investierten auch die Arnims im 19. Jahrhundert in den Steinkohlebergbau. Hohe Erträge der von Arnimschen Steinkohlewerke bescherten dem Besitzer nicht nur einen einträglichen Gewinn, sondern führten auch zu einer Verzehnfachung der Einwohnerzahl von Planitz. Doch die Zeit der Familie von Arnim in Planitz war vorbei. 1919 starb die Planitzer Linie von Arnim aus. Damit fiel das Majoratsgut an die Kriebsteiner Linie, die den Grundbesitz und die von Arnimschen Steinkohlewerke 1923 an den Erzgebirgischen Steinkohlen-Aktienverein veräußerten. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts nahm das Schloss die Sparkasse, das Rathaus und die städtischen Ämter auf. Mit Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss Lazarett und Unterkunft für Wismutarbeiter, bevor es von 1955 bis 1990 als Kaserne, Schule der Deutschen Volkspolizei und Zentrale der Transportpolizei diente. Infolge der unterschiedlichen Nutzungen ist jedoch die historische Raumgestaltungen weitgehend verloren gegangen. Doch die Gebäude sind in Vorbereitung ihrer späteren Nutzung als Clara-Wieck-Gymnasium in den Jahren 1991/92 und 2009-13 einer umfassenden Sanierung unterzogen worden. Heute stellt das Schloss Planitz wohl eines der schönsten Gymnasien im Freistaat Sachsen dar.
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Schloss Planitz
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Stand: 28.02.2016