Historisches Sachsen
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Beschreibung
Das alte Wasserschloss in Geilsdorf war in seiner Blütezeit ein beeindruckender Bau. Das etwas konkav gewölbte Dach überragte die Barockhauben der vier Ecktürme des wuchtigen dreistöckigen und mit Erkern versehenen Bauwerks. Seine großen Räume waren mit prunkvollen Möbeln ausgestattet. Eine Brücke führte zum Eingang. Doch lange hatte das Wasserschloss keinen Bestand. Bereits nach 200 Jahren setzte dessen Verfall ein.
Die Wasserburg von Geilsdorf wurde vermutlich im 12. Jahrhundert von den Herren von Geilsdorf in unmittelbarer Nähe eines alten slawischen Weilers erbaut. Die Burg stand auf einem Erdhügel und war von einem schützenden Wassergraben umgeben. Den Zugang zur Burg sicherte eine Brücke an der Westseite.
Geilsdorf wird erstmals 1328 urkundlich erwähnt. Über viele Jahre war die Familie von Sack Besitzer von Herrensitz und Dorf. Ulrich Sack wurde im Jahr 1382 urkundlich als Besitzer der Burg genannt. Der Familienname von Sack (oder die Säcke) ist der Name mehrerer, nicht miteinander verwandter Adelsgeschlechter, die u.a. im vogtländischen Raum beheimatet waren. Im Vogtland galten die Herren von Sack als ein bedeutendes Geschlecht des niederen Adels mit ausgedehntem Grundbesitz. Im Mittelalter erweiterten sie ihre Ländereien und ihren Einflussbereich im Burgsteingebiet und darüber hinaus bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Zu ihren Besitzungen gehörten Planschwitz, Türbel und das Schloss Sachsgrün. Eine besondere Ehre erfuhren die Brüder Hans und Caspar Sack aus der Mühltroffer Linie, als Kaiser Karl V. ihnen und ihren Erben den Titel "die Edlen" verlieh. Doch lange konnten sich ihre Nachkommen dieses Titels nicht mehr erfreuen, denn nachdem die Geilsdorfer Linie mit Nickel Sack Ende des 16. Jahrhunderts ausstarb, erlosch fünf Jahre später mit Hans Balthasar auch die "Edle" Mühltroffer Linie.
Nach den Herren von Sack wechselten häufig die Besitzer. Hans Wilhelm von Geilsdorf erwarb 1574 den alten Besitz seines Geschlechts, den Peter von Reitzenstein 1578 aufkaufte. Die Familie von Reitzenstein lebte bis 1668 in Geilsdorf. Schließlich erwarb Graf Siegmund von Tattenbach das Anwesen von der Familie Reitzenstein und baute auf den Grundmauern der alten Burg das Wasserschloss. Auf einem rechteckigen Grundriss erhob sich das schlichte massive Gebäude, das an allen vier Ecken mit Türmen versehen war. Erker belebten die Fassade. Besondere Bedeutung erlangte der Mittelsaal, in dem auch Verhandlungen der Gutgerichtsbarkeit abgehalten wurden.
Die letzten Bewohner des Wasserschlosses Geilsdorf war die Familie des brandenburgischen Geheimen Rates und Landeshauptmann Georg Ehrenfried von Nauendorf, der 1725 die Besitzungen ersteigerte. Doch bald schon konnten seine Nachfahren die notwendigen Reparaturen nicht mehr finanzieren. So blieb das Schloss ab 1866 unbewohnt. Mit dem Abbruch der Brücke über den Wassergraben setzte der endgültige Verfall ein. Der Wassergraben wurde auf der Westseite mit Erdreich verfüllt. Durch die Ableitung des Wassers und die damit verbundenen Veränderungen im Untergrund faulten die Eichenholzpfähle, die die Grundmauern trugen. Am Ende des 20. Jahrhunderts stürzte der Westturm ein und wenige Jahre später auch große Teile des Hauptgebäudes. Das Ende des Wasserschlosses war besiegelt. Übrig blieben nur der nordöstliche Eckturm und Reste der Grundmauern.
Doch mit dem Zusammenbruch des Schlosses wollten sich die Bewohner des Ortes nicht abfinden. Nachdem die Sanierung des Bauwerks aus Kostengründen mehrfach verworfen wurde, konnten schließlich 2003 Mittel für eine Notsicherung bereitgestellt werden. In den folgenden Monaten führte man die vorhandenen Mauerreste wieder auf, erneuerte das Turmfachwerk und sanierte die barocke Turmhaube. So präsentiert sich heute im Zentrum des kleinen Ortes eine sehenswerte Schlossruine, die ihre Idylle am verbliebenen Schlossteich nicht verbergen braucht.
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Schlossruine Geilsdorf
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Stand: 20.03.2011