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Beschreibung
An der Zwickauer Mulde befinden sich dicht gedrängt eine Reihe von Burgen und Schlössern - angeführt vom Schloss Colditz. Am imposanten Bau des Schlosses legen unterschiedliche Bauformen Zeugnis von seiner wechselvoller Geschichte und Nutzung ab.
Auch Colditz gehört zu den Anlagen, die ihr heutiges Aussehen im 15. und 16. Jahrhundert erhielten, als die Kurfürsten Ernst und August sie ausbauten und erweiterten. Schloss Colditz ist eines der schönsten mitteldeutschen Baudenkmäler des 16. Jahrhunderts. Im Stil der frühen Renaissance wurden die vier Haupthäuser gebaut: Das Saalhaus, Fürstenhaus, Kirchen- und Kellerhaus. Die Burg war kurfürstlicher Herrschersitz, Jagdschloss und Witwenresidenz.
1046 wurde erstmals ein Burgward Colditz urkundlich erwähnt, den Kaiser Heinrich III. seiner Frau Agnes zum Geschenk machte. Obwohl Colditz als Burgward bezeichnet wird, bleiben doch das Aussehen und der Umfang der Burganlage weitgehend im Dunkeln. Erst mit Wiprecht von Groitzsch, der 1083 den Burgward von Kaiser Heinrich IV. für seine treuen Kriegsdienste erhielt, erhellt sich auch die Baugeschichte. Colditz machte nur einen kleinen Teil seiner Besitzungen aus. Dennoch ließ er vermutlich zu dieser Zeit die erste Steinburg errichten. 1158 gliederte Kaiser Friedrich I. Barbarossa Colditz in das von ihm neu geschaffene pleißenländische Reichsministerium ein machte seinen Dienstmann Thimo I. zum Herren über die Feste Colditz.
Mit Beginn des 12. Jahrhunderts stieg das Dienstmannengeschlecht der Herren von Colditz zu einflussreichen Reichsministerialen auf. Die Burg entwickelte sich zum Herrschersitz einer zuletzt in Nordböhmen begüterten Dynastenfamilie gleichen Namens. Nach und nach gelangten die Colditzer Ministerialen zu hohem Ansehen und Macht. Zwischen 1210 und 1248 übten die Herren von Colditz das Amt des Landesrichters im Pleißenland aus.
Als Kaiser Karl IV. (1346-78) seine luxemburg-böhmische Hausmacht über Mitteldeutschland ausdehnte und die Dynastien des Meißner Landes der böhmischen Krone unterstellte, erreichte die Herrschaft Colditz ihre größte Ausdehnung. Erst als Kaiser Wenzel die Nachfolge antrat, geriet die Stellung der Herren von Colditz ins Wanken. Ende des 14. Jahrhunderts mussten sie ihr Besitztum an die Wettiner verpfänden, das im Jahre 1404 schließlich Markgraf Wilhelm I. käuflich erwarb.
Die Eroberung von Colditz und die Brandschatzung durch die Hussiten im Jahr 1430 markierten das Ende der mittelalterlichen Feste. Kurfürst Ernst von Sachsen leitete einen neuen Abschnitt in der Geschichte des Schlosses ein, als er den Umbau zur kurfürstlichen Residenz begann. 1504 erlitt das Schloss beim sogenannten "Bäckerbrand", den der Bäckerknecht Clemens Bock im vorderen Schloss verursachte, nochmals schwere Schäden. In der Folgezeit ließ Kurfürst Friedrich der Weise (1463-1525) den erneuten Aufbau des Schlosses unter dem Baumeister Hans Zingkeyssen im Stil der Frührenaissance beginnen. Dabei blieben die Grundstruktur der gotischen Häuser um den hinteren Hof jedoch im Wesentlichen erhalten.
Obgleich unter Kurfürst August bereits 1566 weitere bauliche Veränderungen vorgenommen wurden, beauftragte er 1577 Hans Irmisch und ab 1582 Peter Kummer d. Ä. mit erneuten Baumaßnahmen. Mit ihnen schließt dann auch die etwa 150 Jahre währende Bautätigkeit am Colditzer Schloss weitestgehend ab.
Als Jagdschloss und Witwenresidenz sächsischer Kurfürstinnen war Schloss Colditz bis 1753 einer der vielen Mittelpunkte ausgedehnter Landesherrschaft. Auch August der Starke bevorzugte den Aufenthalt in Colditz so sehr, dass er das Schloss 1694 von seiner Schwägerin erwarb. Erst als er König von Polen wurde, verlor schließlich der sächsische Hof das Interesse an Colditz. Das Schloss blieb Verwaltungszentrum für das Amt Colditz, später Armenhaus und Landesarbeitshaus. Ab 1829 stand es für viele Jahre im Dienste des Gesundheitswesens. In den Jahren 1933/34 missbrauchte das Naziregime Schloss Colditz als Schutzhaftlager und Kriegsgefangenenlager.
Das Schloss ist eine ausgedehnte, unregelmäßige Anlage um zwei Innenhöfe, die in der alten Substanz im Wesentlichen 1578-91 im Renaissancestil unter Verwendung älterer Bauteile errichtet wurde. Man betritt das Areal durch das 1. Torhaus, erbaut Anfang des 16. Jahrhunderts auf den Resten der älteren Zwingermauer, und das 2. Torhaus mit dem kursächsischen und dänischen Wappen über der Durchfahrt.
Vom Hauptbau sind das Fürstenhaus und die Allerheiligenkapelle hervorzuheben, deren reichdekoriertes Renaissanceportal beachtenswert ist. Neben dem Gotischen Tor mit dem schon legendären Flüsterbogen aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, durch den man das hintere Schloss betritt, steht das aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts stammende Beamtenhaus, das sich an der Stelle des ehemaligen Wagenhauses erhebt.
Das Fürstenhaus, ein ehemals dreigeschossiges Gebäude von 1464, erweiterte man um 1520 um ein viertes Stockwerk. Das Kirchenhaus aus der gleichen Zeit erfuhr 1802-03 klassizistische Einbauten.
Bekannt geworden ist Colditz auch als Gefangenenlager während des 2. Weltkrieges, in dem hier insbesondere britische Offiziere untergebracht waren. Weniger die Gefangenschaft als vielmehr die zahllosen Fluchtversuche locken auch heute noch Touristen an. Der Einfallsreichtum der Gefangenen kannte keine Grenzen. Neben einem Fluchttunnel konstruierten die Insassen auch ein Segelflugzeug aus Holz und Bettuch, welches Offiziere über die Mulde tragen sollte. Auch selbstgebaute Nähmaschinen zur Herstellung falscher Uniformen können besichtigt werden.
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Bildergalerie
Schloss Colditz
"Flüsterbogen"
Zweiter Schlosshof mit Turm der Schlosskirche
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Stand: 01.11.2009