Historisches Sachsen
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Pomßen   
 
Allgemeines
 
Information

Landkreis Leipzig

Beschreibung
Obwohl das Schloss Pomßen zu den größten Schlossanlagen im Leipziger Land gehört und im Besitz namhafter Eigentümer, wie den Familien von Pflugk, von Ponickau und von Uechtritz sowie den Fürsten von Schönburg-Waldenburg war, ist es nur wenig bekannt. Eine Ursache könnte sein, dass der Herrensitz nicht öffentlich zugänglich ist und seit Jahren leer steht.
Dabei hat Pomßen eine lange, erfolgreiche Geschichte vorzuweisen. Bereits 1255 als Herrensitz des Fridericus de Pomzin erwähnt, sind die Geschicke des Rittergutes eng mit der Familie von Ponickau, die Pomßen fast 250 Jahren im Besitz hatte, verbunden. 1536 erwarb der kursächsische Rat und Kämmerer Hans von Ponickau das Anwesen. Hans von Ponickau war ein sächsischer Politiker aus einem meißnischen Adelsgeschlecht, der sowohl dem ernestinischen Kurfürsten Johann Friedrich den Großmütigen als auch den beiden albertinischen Kurfürsten Moritz und August von Sachsen diente und damit einer der mächtigsten Männer im Kurfürstentum Sachsen war. 1536 erwarb er die Grundherrschaft, die neben Pomßen auch Albrechtshain, Erdmannshain, Fuchshain, Grethen, Kleinsteinberg, Klinga, Seifertshain, Stockheim, das Städtchen Naunhof sowie die Vorwerke Eicha und Lindhardt umfasste. Das Schloss geht auf einen Umbau der alten Wasserburg zu einem Renaissanceschloss um das Jahr 1545 zurück. Markant ist sein hoher, weithin sichtbarer Treppenturm, der dem Haus nach Osten vorgesetzt ist und die Obergeschosse erschließt. Da die Bausubstanz später überformt wurde, erinnert heute nur noch wenig an die Renaissancegestalt des 16. Jahrhunderts. Hans von Ponickau wirkte in späteren Jahren als Amtshauptmann von Grimma und Leipzig. Unter ihm erreichte der Besitz seine größte Ausdehnung.
Das Rittergut Pomßen blieb bis 1782 im Besitz der Familie von Ponickau. Dann kaufte mit dem kurfürstlich-sächsischen Amtsverwalter Andreas Ludewig ein Bürgerlicher den Besitz, dem 1791 Carl Sigismund Emilius von Uechtritz folgte. Doch die Familie von Uechtritz musste ihr Gut bald aufgeben. Wegen Überschuldung kam die Gerichtsherrschaft 1815 unter Sequestration und wurde 1820 an den königlich-sächsischen Kammer- und Kommissionsrat Johann Gottfried Dietze versteigert. Zu dieser Zeit war das Schloss noch von Wassergräben umgeben, die man im späten 19. Jahrhundert jedoch verfüllte. Als Dietze 1830 starb, verwaltete seine Witwe das Rittergut für den noch minderjährigen gleichnamigen Sohn bis zum Abschluss von dessen Studium 1847. Johann Gottfried Dietze (jr.) war von 1858 bis 1867 sächsischer Landtagsabgeordneter und gehörte bis 1878 dem Reichstag an. Er unterzog dem Schloss in den folgenden Jahren einen grundlegenden Umbau, bei dem seine Fassaden nach dem Vorbild englischer Landsitze im Tudorstil gestaltet wurden. Der Turm erhielt einen Zinnenkranz und eine neugotische Dekoration. 1883 verkaufte Dietze (jr.) das Rittergut an den Leipziger Kaufmann Karl Gottlieb Weiß, der es sieben Jahre später an Otto Friedrich Fürst von Schönburg-Waldenburg veräußerte. Die fürstliche Familie residierte jedoch in Waldenburg und kam nur selten nach Pomßen. Der letzte Herr auf Pomßen war Günther Fürst von Schönburg-Waldenburg. Nach seiner Enteignung wurde das Schloss Pomßen ein Kindergenesungsheim, das bis in die Wendezeit Bestand hatte. Als 1995 ein Investor das sanierungsbedürftige Anwesen erwarb, hoffte man auf die Einrichtung eines Hotels. Eine äußere Sanierung machte Mut, doch letztlich scheiterte er an der Finanzierung. So steht das Grundstück seit mehreren Jahren nahezu ungenutzt da und wartet auf eine adäquate Verwendung.
Die Ausmaße der ehemaligen Rittergutsanlage werden beim ersten Betrachten noch nicht sichtbar. Der östlich des Schlosses gelegene Gutshof war eine große, offene Rechteckanlage, die durch den Abbruch von Wirtschaftsgebäuden heute jedoch nicht mehr vollständig erhalten ist. Zunächst lenkt das zentral stehende Schloss alle Blicke auf sich. Erst wenn man sich als Besucher umsieht, erkennt man die zahlreichen Rittergutsgebäude, die sich beidseitig die Schlossstraße entlangziehen: Das Schloss, der Gutspark mit Einfriedungsmauern des Parks sowie Kavalierhaus im Park, das Inspektorenhaus (Schloßstraße 1), Wohn- und Wirtschaftsgebäude (Schloßstraße 3), zwei Scheunen (Schloßstraße 4 und 6/8) sowie ein Torhaus mit Einfriedungsmauer (Schloßstraße 7). Dazu kommen in der Straße "Am Rittergut" die ehemalige Brennerei (Am Rittergut 4), eine Scheune (Schloßstraße 5 / Am Rittergut 6) sowie der ehemalige Küchengarten.
Das Erscheinungsbild des heutigen Schlosses wird durch die Umbauten des ehemaligen Renaissanceschlosses im 19. Jahrhundert geprägt. Das Schloss ist ein zweigeschossiger, neunachsiger, verputzter Massivbau mit steilem Satteldach, Gauben und Treppengiebel. Portal und Fenstergewände sind im Tudorstil gehalten. Im Keller befinden sich noch Kreuzgrat- und Tonnengewölbe. Die Hofseite dominiert ein sechsstöckiger, oktogonaler Treppenturm mit Zinnenbekrönung und Balkon. Auf der Gartenseite erhebt sich ein Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel, der an den Giebelecken zum Teil Reste kleiner Ecktürmchen aufweist. Obwohl im Innern nur wenige historische Ausstattungselemente erhalten geblieben sind, beeindruckt im Obergeschoss vor allem ein Saal mit einem ovalen Deckengemälde aus dem 18. Jahrhundert mit der Darstellung des Götterrates. Das Kavalierhaus im Park ist ein zweigeschossiger, verputzter Massivbau mit Walmdach, Satteldachgauben und Biberschwanzdeckung. Teile des Schlossparks im englischen Stil sind durch eine Bruchsteinmauer eingefriedet.
 
Bildergalerie
Schloss Pomßen
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