Historisches Sachsen
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Nenkersdorf   
 
Allgemeines
 
Information

Landkreis Leipzig

Beschreibung
Nenkersdorf in der Leipziger Tieflandsbucht am Ostrand des ehemaligen Tagebaus Borna-Ost ist ein Ortsteil der Stadt Frohburg. Obwohl der Ort erst 1304 als Nenkersdorp erwähnt wurde, geht seine Gründung vermutlich schon auf das 11. Jahrhundert durch fränkische Siedler zurück, denn für seine Kirche ist das Einweihungsdatum 2. Mai 1085 urkundlich belegt. Mit den ersten Siedlern kamen auch Mönche nach Nenkersdorf, die um 1100 ein Mönchskloster errichteten. Eine besondere Bedeutung für den Ort hatte die Ausstellung eines Ablassbriefes im Auftrag von Papst Benedikt XII. am 12. Februar 1342. Dieser versprach nicht nur den Besuchern von Nenkersdorf die Vergebung von Sünden, wenn man fromme Taten erfülle, sondern dem Ort in den folgenden Jahren auch eine gewisse Bekanntheit und Wohlstand.
Das Kloster in Nenkersdorf existierte bis 1478. Aus dem Klosterhof ging das zu Beginn des 16. Jahrhunderts erwähnte Rittergut hervor, welches im Besitz zahlreicher Adelsfamilien und durch seine Eigentümer eng mit den umliegenden Herrschaften Frohburg, Sahlis, Eschefeld und Zedtlitz verbunden war. Im 16. Jahrhundert gehörte Nenkersdorf der Familie von Kreutz auf Frohburg, gefolgt von den Familien von Löser, von Gladebeck und aus dem Winckel. Der preußische Kammerpräsident in der Stadt Magdeburg, Christoph Friedrich aus dem Winckel aus der Linie Wettin der obersächsischen Uradelsfamilie, war es auch, der 1797 bis 1799 das Herrenhaus neu errichten ließ. Dabei folgt der Bau in seiner Gestalt den spätbarocken Formen. Den rechteckigen Putzbau mit Mansardwalmdach schmücken an seinen Längsseiten leicht hervortretende, dreiachsige Mittelrisalite mit Dreiecksgiebel auf der Hofseite und mit geradem Abschluss auf der Parkseite. Durch den Verlust der Bauornamentik sind sie heute nur noch sehr schlicht gehalten. Bemerkenswert ist die Anordnung der Wohngeschosse: Da das Haus an einem Hang steht, ist das Obergeschoss auf der nordöstlichen Hofseite gleichzeitig das Erdgeschoss der südwestlichen Gartenseite. Von besonderer Bedeutung ist der Steinsaal, der noch Wand- und Deckenfassungen aus der Zeit um 1800 enthält. Im hoch gelegenen Keller sind zudem Kreuzgewölbe des Vorgängerbaues enthalten. Dem Herrenhaus ist an der Hofseite eine Heiste vorgelagert. Giebelständig des freistehenden Herrenhauses sind auf jeder Seite ein eingeschossiges Gebäude mit hohem Mansarddach und Dachgeschoss angeordnet. Eine Umfassungsmauer umschließt dem rückwärtigen Park.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gelangte Nenkersdorf in bürgerliche Hände. 1983 kaufte schließlich Adolf Landmann den Hof und ließ das Herrenhaus umgestalten. Die Umgestaltung umfasste auch eine zweiläufige Freitreppe, die auf der Hofseite schwungvoll das Obergeschoss erschloss. Doch kurz darauf verkaufte Landmann das Rittergut an die Familie Platzmann, die 1945 auch enteignet wurde. Im Herrenhaus richtete man nach Abbruch der hofseitigen Freitreppe und Zerstörung des Steinsaales eine Schule ein, die bis in die 1980er Jahre Bestand hatte. 1999 erwarb ein Möbelrestaurator das Herrenhaus mit Park und nördlichem Nebengebäude und saniert seit dem das Anwesen. So wurde in den Jahren 2012/13 der geschädigte Steinsaal wieder in seinen alten Grundformen hergerichtet.
 
Bildergalerie
Herrenhaus Nenkersdorf
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