Historisches Sachsen
Das Portal für die Schlösser, Burgen und historischen Ruinen im Freistaat Sachsen
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DVD "Schlösser & Burgen in Sachsen"

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Beschreibung
Das Vogtland im Dreieck der bundesdeutschen Freistaaten Bayern, Sachsen und Thüringen wirkt durch seine bewaldeten Hügelkuppen und einschneidenden Flusstäler sehr idyllisch. Sein Landschaftsname geht auf die bis in das 16. Jahrhundert hier herrschenden Vögte von Weida, Gera und Plauen zurück, zu deren Gefolge auch zahlreiche niederadlige Familien, wie die von Dobeneck, Feilitzsch und Sack, gehörten.
In dieser ruhigen Landschaft sticht ein Ort hervor, dessen geschichtlicher Eintritt in das 15. Jahrhundert fällt. Das Jahr 1416 nennt Lauterbach im Besitz der Gebrüder Hans, Georg und Heinrich von Machwitz, wenngleich die Erstbesiedlung der Gegend wohl schon deutlich früher stattgefunden haben dürfte. 1445 wurde auch das Rittergut Unterlauterbach als Rittersitz erwähnt. 1537 ging das Rittergut an Eberhard von Feilitzsch auf Treuen und sollte viele Jahre im Besitz dieses vogtländisch-fränkischen Adelsgeschlechts bleiben. 1724 erwarben die Brüder Major Friedrich von Obernitz und Oberstleutnant Karl-Heinrich von Obernitz das Rittergut. Das alte thüringische Adelsgeschlecht von Obernitz trug im Laufe der Zeit insbesondere in Thüringen einen ansehnlichen Grundbesitz zusammen und zeichnete sich im 18. und 19. Jahrhundert vorwiegend im sächsischen, württembergischen und preußischen Militärdienst aus. Mit dem Rittergut in Unterlauterbach hatten die neuen Besitzer jedoch weniger Erfolg. Bereits einige Jahre später war das Rittergut abgewirtschaftet und kam zum Zwangsverkauf. Georg Adler und sein Vetter Wolf Adam Adler ersteigerten das Rittergut 1744 jeweils zur Hälfte und begannen damit die 200jährige erfolgreiche Familiengeschichte der Adlers im Vogtland. Noch heute breitet ein Adler seine Schwingen über dem Eingang des Herrenhauses aus und erinnert damit an die Familie, die von 1744 bis 1945 die Rittergutsherrschaft in Unterlauterbach ausübte. Die Familie bewirtschaftete in der Folgezeit mehrere Rittergüter und gehörte damit zu den erfolgreichsten bürgerlichen Gutsbesitzern im Vogtland.
Auch das Rittergut Unterlauterbach entwickelte sich prächtig. Neben zahlreichen Teichen für die Fischwirtschaft im Mündungsgebiet des Lauterbaches in die Trieb gehörten auch ca. 200 ha Wald zum Gutsbereich. Die Gutshofanlage bestand aus einem trapezförmig angelegten, vierseitigen Wirtschaftshof mit Stallungen und dem Herrenhaus an der Schmalseite. Die Wegeverbindung von Altmannsgrün nach Oberlauterbach führte bis ins 17. Jahrhundert über den Hof durch ein nördliches Torhaus mit Türmchen und einem südlich gelegenen Ausfahrtstor.
1885 brannten die Gebäude des Wirtschaftshofes ab, doch Bernhard Adler baute den Wirtschaftshof bis 1890 in der heute sichtbaren Form wieder auf. Dabei wurde aus dem einst trapezförmig angelegten Wirtschaftshof ein rechteckiger, deutlich größerer Hof mit zweigeschossigen und in massiver Bauweise ausgeführten Wirtschafts-, Stall- und Scheunengebäuden. Gleichzeitig erweiterte man den Gutspark in der heutigen Form im Stile eines englischen Landschaftsparkes.
Der letzte Besitzer des Rittergutes Unterlauterbach, Carl Ferdinand Adler, hatte das Gut seit 1923 verpachtet. Er selbst bewirtschaftete und bewohnte das Rittergut Straßberg, heute ein Ortsteil von Plauen. Doch 1936 wurde er gezwungen, einen Teil seines Straßberger Gutes an die Deutsche Wehrmacht zur Erweiterung des Truppenübungsplatzes Plauen zu verkaufen. So entschloss er sich, sein Herrenhaus in Unterlauterbach zu erweiterten und zu modernisieren und zog schließlich 1939 dort ein. Es entstand auf rechteckigem Grundriss ein zweigeschossiges, sechs Fensterachsen breites Gebäude mit Mansardendach. Die symmetrische Hoffront betont ein Mittelrisalit, über den sich ein Dacherker mit geschweiftem Giebel erhebt. Ein Bogengiebel mit Adler krönt das Portal zum Herrenhaus und unterstreicht damit den Beinamen Rittergut Adlershof.
Die Bodenreform ab Herbst 1945 in der sowjetischen Besatzungszone enteignete auch Carl Ferdinand Adler, da sein Grundbesitz mehr als 100 Hektar maß. Geschaffen wurden mehrere Neubauernstellen, von denen auch die Enkelin des Gutsbesitzers eine erhielt. Für vier Neubauernstellen wurde der Wirtschaftshof aufgeteilt. Dazu brach man einzelne Gebäudeteile ab und zerstückelte so die ehemalige geschlossene Bebauung. Das Herrenhaus mit Gutspark wurde 1947 der Gemeinde Unterlauterbach übereignet. Sie nutzte es als Wohnhaus und für gemeinnützige Zwecke.
Die Zerstückelung des Gutshofes und eine Verwahrlosung der Gebäudeanlagen in der Folgezeit förderten den Verfall und zuletzt den teilweisen Abriss von Gebäuden. 1989 standen vom Gutshof nur noch Teile von privat bewirtschafteten Gebäuden und das Herrenhaus. Vieles war zwischenzeitlich eingefallen oder abgebrochen. Mit der politischen Wende in der DDR ergab sich auch für die Gemeinde als Eigentümerin des Herrenhauses und des Schlossparks die Gelegenheit, im Rahmen des Dorferneuerungsprogrammes Förderanträge zur Wiederherstellung der historischen Gebäude einzureichen. Mit Erfolg wurden bereits 1993 ersten Sanierungsmaßnahmen beendet. Weitere Maßnahmen sollten in den kommenden Jahren noch folgen, um auch den restlichen Gutshof wieder aufzubauen. Heute präsentiert sich dem Besucher ein Ensemble aus Massivgebäuden in zeitgemäßer Anpassung an die historische Bebauung, in dessen Mittelpunkt das Natur- und Umweltzentrum des Vogtlands im alten Herrenhaus steht. Neben Vortrags- und Veranstaltungsbereichen, Werkstätten und einer gastronomischen Versorgung im ehemaligen Milchhaus bietet eine Naturherberge 29 Übernachtungsplätze an. Mit Ausnahme einer Scheune, die den nördlichen Abschluss des Gutshofes bildete, konnte durch die fleißige Mitarbeit engagierter Bewohner die ursprüngliche, geschlossene Hofform zurückgewonnen werden. Zudem führt ein ausgeschilderter Lehrpfad in das Landschaftsschutzgebiet "Lauterbacher Teiche".
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Bildergalerie
Herrenhaus Unterlauterbach
Bogengiebel
Rittergut Unterlauterbach
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Stand: 19.03.2017