Historisches Sachsen
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Beschreibung
Den Namen Nostitz hört man im ostsächsischen Raum häufig, ist er doch der Name eines alten Adelsgeschlechts aus der Oberlausitz, das sich auch nach Schlesien und Böhmen ausbreitete. Die Herren von Nostitz sind ab 1280 auf ihrer Stammburg in Nostitz bei Weißenberg nachweisbar. Aus der Adelsfamilie gingen hohe Beamte, Politiker, Militärangehörige und Minister hervor. Doch ihr Stammsitz ist der Familie schon sehr früh verloren gegangen. Bereits 1439 wurde der Besitz an die Herren von Baudissin verkauft. Nach Caspar von Belbitz gelangte Nostitz für fast 100 Jahre an die Lautitzer Linie der von Gersdorff.
Die Familie von Gersdorff ist ein uradeliges Geschlecht mit gleichnamigem Stammhaus in Gersdorf in der Oberlausitz. Ihre Angehörigen besaßen reichen Grundbesitz in der Oberlausitz, aber auch in Schlesien und Böhmen. Im 14. Jahrhundert bekleideten sie in den genannten Ländern ständische Ämter oder waren in Diensten verschiedener Fürsten tätig. In der Folge gehörte das Geschlecht zu den mächtigsten und angesehensten Familien der Oberlausitz. Ihnen folgten in Nostitz die Herren von Ziegler und Klipphausen.
Aus der frühen Geschichte des Herrensitzes sind nur sehr wenige Überreste vorhanden. Einzig die Schlossruine, westlich neben der Kirche, erinnert daran. Das abgewinkelte Gebäude beherbergte rechteckige Räume und stieg von der Straße zum Hof hin an, so dass der Fußboden des Kellergeschosses auf Straßenhöhe, der Fußboden des Erdgeschosses auf Hofhöhe lag. Vermutlich sind Teile eines mittelalterlichen Herrensitzes in den Bau einbezogen worden.
Der Ausbau zum Schloss erfolgte um das Jahr 1680 unter Joachim Ernst von Ziegler und Klipphausen, wie eine Jahreszahl auf einer frühbarocken Kaminbekrönung zeigte. Damit erfolgte er gleichzeitig mit dem Bau der 1679 geweihten Kirche. Als Eingang in das Schloss diente ein Rundbogenportal. Die wenigen erhaltenen Mauern lassen südlich einen saalartigen Raum erkennen, zu dem Türen mit rot bemalten Pfeilern führten. Eine heute nicht mehr lokalisierbare Treppe erschloss die oberen Räume. Der Nordwand des Schlosses war ein ca. 17,5 m tiefer Hof vorgelagert, den eine Mauer vom Garten trennte. In der Ecke zwischen beiden steht der Rest eines außen achteckigen und innen runden Turmes, von dem sich zwei Geschosse erhalten haben. Die noch um 1840 vorhandene Haube mit Laterne fehlt heute. Vermutlich wurde der Turm Anfang des 18. Jahrhunderts als Lusthaus errichtet.
Im 18. Jahrhundert gelangte das Rittergut Nostitz an die Schmeiß von Ehrenpreisberg und ab 1732 an die Edlen von Lossa. 1777 erwarben die Grafen von Bressler auf Lauske die Grundherrschaft Nostitz.
Während der Napoleonischen Kriege zogen 1813 französischen Truppen durch Nostitz und brandschatzten den Ort. Dabei brannten das Schloss und fünf Bauerngüter nieder. Zu dieser Zeit gehörte Nostitz der Gräfin Johanna Wilhelmine Gottliebe von Bressler, die den Herrensitz 1812 von ihrem Vater erworben hatte. Sie ließ das Schloss nicht wieder aufbauen, sondern ordnete nach Kriegsende die Verlegung des Rittergutes an den westlichen Dorfrand an. Für das neue Rittergut mit Herrenhaus und Wirtschaftsgebäuden wählte man die ungewöhnliche Form eines Achtecks, von dem jedoch nur fünf Seiten bebaut wurden. Das Herrenhaus an der Westseite ist zweigeschossig und in schlichten barocken Formen angelegt. Sein hohes Satteldach ist an den Giebelseiten abgewalmt. Links und rechts schlossen sich abgewinkelte, eingeschossige Nebengebäude an, die als Stallanlagen genutzt wurden. Das nördliche Nebengebäude trennte man nach 1945 als Neubauernstelle vom Herrenhaus ab.
Johanna Wilhelmine Gottliebe von Bressler hat jedoch nie in Nostitz gewohnt; ihr Familiensitz war das Schloss in Lauske. So brachte sie 1857 ihren Besitz, zu dem die Rittergüter Lauske, Nostitz mit Trauschwitz und Zschorna gehörten, in eine Familienstiftung ein, die ihrem Neffen Hans Wilhelm Carl Graf von Bressler zufiel. Im Gegensatz zu Lauske, das der Familie bis 1945 gehörte, ging Nostitz an einen nichtadligen Landwirt über. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm das Herrenhaus die Gemeindeverwaltung auf. Das Gut wurde aufgesiedelt und die nördlichen Nebengebäude in eine Neubauernstelle umgewandelt.
Nach 1990 stand das alte Herrenhaus über viele Jahre leer. Schließlich nahm sich der Heimatverein des Gebäudes an und veranlasste eine denkmalgerechte Sanierung. 2006 eröffnete im Herrenhaus eine Gaststätte. Der ehemalige Pferdestall dient als Festsaal.
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Bildergalerie
Schlossruine Nostitz
Herrenhaus Nostitz
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Stand: 16.02.2014