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Beschreibung
Die prachtvolle Anlage von Nischwitz wäre ohne Heinrich Graf von Brühl wohl nicht entstanden. Der ehrgeizige Graf, der sich innerhalb kürzester Zeit vom Pagen zum einflussreichsten Minister in Sachsen hocharbeitete, legte sein Geld gern in Rittergüter an, wenn er sie günstig erwerben konnte. Auch Nischwitz gehörte bald zu seinen Besitzungen.
Die Geschichte der Gemeinde Nischwitz nördlich von Wurzen reicht jedoch bis in das Mittelalter zurück. Bereits im 11. Jahrhundert findet ein Rittergut Erwähnung. Seinen Namen erhielt der Ort mit dem Erwerb des Rittergutes 1450 durch die Familie von Nischwitz. Nach dem Verfall des Gutes veranlasste der sächsische Kammermeister und Freiherr von Rackwitz 1714 den Bau eines Herrenhauses, geplant von dem Architekten Matthäus Daniel Pöppelmann.
Die 1721 fertiggestellte Anlage wechselte kurz darauf den Besitzer. Sie ging an Friederike Charlotte von Wendt, die das Gut ihrerseits an ihre Tochter Amalie Sophie von Wallmoden, einer Mätresse des britischen Königs Georg II., vererbte. Schließlich erwarb 1743 Reichsgraf Heinrich von Brühl, der Premierminister unter Kurfürst Friedrich August II., das Schloss und beauftragte den Oberlandesbaumeister Johann Christoph Knöffel mit einem umfangreichen Um- und Ausbau der Schlossanlage. Dabei integrierte der Oberlandbaumeister das ältere Herrenhaus in den Schlossneubau. Geplant war eine kleine Residenz für den Herrn Minister vor den Toren der Messestadt Leipzig, entstanden ist zwischen 1745 und 1750 eines der prächtigsten Rokokoschlösser in Sachsen, das in seiner Gesamtheit mit großzügiger Hofanlage sowie Orangerie und Verwaltungsgebäuden und dem sich an die Gartenseite anschließenden Schlosspark erhalten geblieben ist.
Das an der Hofseite zweigeschossige rechteckige Gebäude hat im Mittelbau elf Fensterachsen. Beidseitig schließen sich kurze Seitenflügel an. Stuckornamente und eine illusionistische Architekturbemalung beleben die Fensterfront. Eine geschwungene Treppe eröffnet den Zugang zum Schloss. Die Cour d'honneur wird von der Orangerie und den Wirtschaftsgebäuden eingefasst. An der Gartenseite ist das Schloss wegen des leicht abfallenden Geländes dreigeschossig angelegt. Den Mittelrisalit betont ein Dreiecksgiebel, dessen Giebelfeld ursprünglich mit plastischem Schluck gefüllt war. Seit 1989 ziert ihn eine Wappenkartusche mit dem Wappen des Grafen Brühl.
Die überaus kostbare Innenausstattung der Sommerresidenz des Grafen Brühl konnte leider nicht bis heute erhalten werden. Wand- und Deckenmalereien aus dem Spätbarock finden sich heute noch im Gartensaal mit mythologischen Szenen sowie im Festsaal und dem dazugehörigen Vorsaal mit Darstellungen von Jagdimpressionen. Diese Arbeiten werden dem Maler Stefano Torelli vom Dresdner Hof zugeschrieben.
Großzügig legte 1753 Friedrich August Krubsacius den Schlossgarten im Barockstil an. Er lässt sich durch zwei Arkaden, die mit Landschaftsszenen ausgemalt sind, betreten.
Der Siebenjährige Krieg setzte bald dem Leben auf Schloss Nischwitz ein Ende, als 1758 preußische Truppen das Anwesen einnahmen und plünderten. Grund war der tiefe Hass, den der preußische König Friedrich II. gegenüber dem Grafen von Brühl hegte. Möbel, wertvolle Einrichtungsgegenstände und das kostbare Porzellan wechselten den Besitzer. Der Rest wurde zerschlagen.
Nach dem Tode des Grafen Brühl verkauften dessen Nachfolger das Gut an den Leipziger Juristen Phillip Heinrich Lastrop. Ihm ist der Wiederaufbau des Schlosses zu verdanken. 1817 ersteigerte Christian Friedrich von Ritzenberg den Adelssitz. Diese Familie trug viel zur Verschönerung des Schlosses bei. Anfang des 19. Jahrhunderts ließ sie unter anderem umfangreiche Umbauten im Erdgeschoss vornehmen. So ersetzte man das barocke Treppenhaus durch eine repräsentative, dem Geschmack der Zeit entsprechende, spätklassizistische Treppenanlage und versah sie mit großflächigen Wand- und Deckengemälden.
Ebenfalls zu dieser Zeit gestaltete der Schlossherr den Schlosspark neu. Dabei erhielt er seinen englischen Charakter mit heute verfallenen Teepavillons sowie steinernen Statuen und Vasen. Die Familiengruft derer von Ritzenberg befindet sich seit 1848 in Form eines dorischen Tempels im eichenbestandenen Park. 1889 erwarb Kurt Zimmermann den Landwirtschaftsbetrieb. Der Leutnant der Landwehr-Cavallene wurde 1901 von Kaiser Wilhelm II. in den erblichen Adelsstand erhoben. Das Schloss blieb bis zur Bodenreform im Besitz der Familie.
Nachdem Schloss Nischwitz den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt überstanden hatte, wurde der Besitz verstaatlicht und in ein Alten- und Pflegeheim umgewandelt. Der bedrohlich fortschreitende bauliche Verfall des Schlosses konnte während dieser Zeit nur notdürftig aufgehalten werden. Seit Beginn der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts versuchte eine Gruppe polnischer Restauratoren mit einer denkmalpflegerischen Bestandsaufnahme ein Konzept zur Rettung des Schlosses zu erarbeiten. Dabei konnte die Gartenfront weitgehend originalgetreu restauriert werden. Erst die Privatisierung Mitte der 90er Jahre ermöglichte die schrittweise Renovierung des Schlosses und die Umwandlung der Seitengebäude in eine repräsentative Wohnanlage.
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Bildergalerie
Schloss Nischwitz
Zweiläufige Treppenanlage
Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel
www.historisches-sachsen.net
Stand: 16.11.2013