Historisches Sachsen
Das Portal für die Schlösser, Burgen und historischen Ruinen im Freistaat Sachsen
Freistaat SachsenSchlösser & BurgenTagestourenSucheNeschwitz   
Allgemeines
Informationen

Buch "Schlösser & Burgen in Sachsen"   DVD "Schlösser & Burgen in Sachsen"

Empfehlung

Beschreibung
In Neschwitz befindet sich eines der bemerkenswertesten barocken Schlösser der Oberlausitz. Im 12. Jahrhundert errichteten deutsche Lehnsherren eine wehrhafte Wasserburg. Historisch erscheint Neschwitz 1268 in der Teilungsurkunde der Oberlausitz. Bereits damals gehörte der Ort den Rittern von Schreibersdorf, deren Familie bis 1572 in dessen Besitz war.
Nach den Herren von Schreibersdorf gelangte das Schloss in die Hände verschiedener Adliger, u.a. an den kaiserlichen Rat Hans Hugold von Schleinitz, die Familie von Ponickau und die Familie von Theler. Schließlich ging 1721 das Anwesen an den Herzog Friedrich Ludwig von Württemberg-Teck über. Friedrich Ludwig von Württemberg-Teck, 1690 als Sohn des Administrators Friedrich Karl und der Markgräfin Eleonore von Brandenburg-Ansbach geboren, kam nach seiner Erziehung in Stuttgart 1703 an den Hof Augusts des Starken, um in sächsische Militärdienste zu treten. Er nahm an Feldzügen in Pommern und Ungarn teil, erhielt 1717 ein kaiserliches Regiment und avancierte bald zum Feldmarschall-Leutnant der Infanterie. 1719 kehrte er nach Sachsen zurück, wo er sächsischer Generalleutnant wurde. Am 22. Oktober 1722 hatte er sich in Dresden mit der Gräfin Ursula Katharina von Altenbockum, Reichsfürstin von Teschen und polnische Mätresse Augusts des Starken vermählt und ging unverzüglich daran, für sich und seine Gemahlin einen standesgemäßen Wohnsitz als Sommeraufenthalt zu schaffen.
Zu jener Zeit, als nach dem Vorbild des französischen Hofes die Fürsten und der Adel fast aller europäischer Staaten einer ungemeinen Prunksucht frönten, entstand durch den neuen Herrn auf Neschwitz eine prachtvolle Anlage. Das alte mit Wallgräben umgebene Schloss ließ der Herzog abbrechen und an seiner Stelle eine neue, mit Kanälen umgebene Sommerresidenz erbauen. Auf einem künstlichen 5 m hohen Hügel errichtet, diente es zunächst als Sommersitz und Jagdschloss des Bauherrn und seiner Gemahlin, bevor es ab 1775 unbewohnt blieb und lediglich Sammlungen, Kunstschätze und eine reiche Bücherei barg.
Das zweigeschossige Gebäude mit Mansarddach ist durch Pilaster gegliedert. Die beiden Statuen in den Nischen der Giebelseiten schuf Benjamin Thomae. Den sich über zwei Etagen erstreckenden Festsaal verschönern Malereien im pompejanischen Stil (1806). Über zwei seitliche Treppen gelangt man in die oberen Gemächer.
Mit dem Alten Schloss entstanden durch den Dresdner Hofbaumeister Johann Friedrich Karcher vier Pavillons (Herren-, Bade- und Küchen-, Archiv-, Theaterpavillon), der Park, ein neuer Wirtschaftshof mit Brauhaus und Brennerei, ein Marstall für 40 Pferde und ein Tiergarten mit Jagdpavillon. Der bereits baufällig Theaterpavillon wurde durch die Krieghandlungen 1945 stark beschädigt und musste 1948 abgetragen werden. Die drei noch vorhandenen Pavillons werden durch die Touristeninformation und die Vogelschutzstation genutzt.
1763 kaufte der Kaiserliche österreichische Rat Freiherr Wolfgang von Riesch Neschwitz und wählte es für seine Sommeraufenthalte. Freiherr von Riesch, ein Mann mit Prachtliebe und Geschmack, schuf neue Fernsichten, ließ Sümpfe entwässern, den Boden erhöhen und Kanäle ziehen. In den Jahren 1766 bis 1775 erweiterte das heute nicht mehr vorhandene Neue Schloss das Ensemble.
Das Neue Schloss bestand aus einem zweigeschossigen Mittelbau und seitlichen, einstöckigen Flügeln. Der geschwungene Mittelbau trug ein Walmdach. Leider brannte das Neue Schloss infolge einer Brandstiftung zu Pfingsten 1945 ab. Die Überreste wurden - sofern sie nicht schon Plünderungen zum Opfer fielen - nach vergeblichen Sicherungsarbeiten abgerissen und auf den Grundmauern die Grund- und Mittelschule Neschwitz errichtet.
Dem Schloss vorgelagert ist eine ca. 5,5 Hektar große Parkanlage, die eine Teilung in einen streng geometrisch gegliederten französischen und einen englischen Teil aufweist. Gegenüber der Kirche befindet sich der von zwei Torhäuschen gerahmte Eingang.
Den französische Teil des Parks gestaltete man mit dem Bau des Alten Schlosses. Der englische Teil entstand mit dem Neuen Schloss. Im Park befinden sich drei Sichtachsen, die in die freie Landschaft, auf die Kirche Neschwitz und auf den Jagdpavillon (Jugendherberge), am Ende der Kastanienallee, gerichtet sind.
1953 zog eine Vogelschutzstation der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften Berlin in das Schloss ein und setzte die Arbeit der bereits 1930 vom Landesverein Sächsischer Heimatschutz unter Forstmeister Prof. Dr. Arnold Freiherr von Vietinghoff-Riesch in Neschwitz gegründeten Vogelschutzwarte fort. Große Vogelvolieren erblickt der Besucher an der Südseite, in denen verletzte heimische Vögel gesund gepflegt werden.
1993 eröffnete in drei Räumen des Schlosses eine ständige Ausstellung zum Naturschutz. In der 1978 gegründeten Kleinen Galerie sind viermal im Jahr wechselnde Ausstellungen zur regionalen Kunst zu sehen.
Von der Schlossterrasse an der Parkseite bietet sich ein herrlicher Blick auf den tiefer liegenden Barockgarten, die Pavillons und die wohl vom Hofbildhauer Johann Christian Kirchner geschaffenen Gartenplastiken.
X X X X X X X X X X Historisches Sachsen - Das Portal für die Schlösser, Burgen und historischen Ruinen im Freistaat Sachsen - © by Heyko Dehn - www.historisches-sachsen.net X X X X X X X X X X
Bildergalerie
Südseite des "Alten Schlosses"
Herrenpavillon
Sandsteinfigur im Park
www.historisches-sachsen.net
Stand: 01.11.2009