Historisches Sachsen
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Beschreibung
Nicht von ungefähr heißt das Muldetal "Tal der Burgen". Allein von Waldenburg bis Rochlitz findet man sieben Burgen und Schlösser. So nimmt auch der kleine Ort Wolkenburg, der um 1103 unter Wiprecht von Groitzsch gegründet und 1241 erstmalig erwähnt wurde, eine beachtliche Stellung in der Kunst- und Kulturgeschichte Sachsens ein. Und im Nachbarort Kaufungen hauste einst der berühmtberüchtigte Ritter Kunz von Kauffungen, der besondere Bedeutung durch den von ihm 1455 initiierten Prinzenraub erlangte.
Schon aus der Ferne grüßt das auf einem Bergvorsprung über der Zwickauer Mulde errichtete Schloss Wolkenburg die Besucher. Von seiner Höhe überschaut man das herrliche Muldetal mit seinen Ausläufern. Die Schlossanlage erstreckt sich auf einem ovalen Grundriss von ca. 75 x 50 Meter.
Das Schloss geht auf eine Burganlage aus der Zeit um 1200 zurück. Sein heutiges Aussehen erhielt das Bauwerk aber im Wesentlichen im 18. Jahrhundert. Besitzer von Wolkenburg waren im Laufe der Jahrhunderte u.a. die Herren "von Colditz", "von Kauffungen", "von Ende" und "von Einsiedel".
Der Burgenbau im Muldetal hängt unmittelbar mit der Besiedlung des Landes auf Initiative des Reiches durch deutsche Bauern ab dem 12. Jahrhundert zusammen. Der vorspringende Bergsporn eignete sich hervorragend als Befestigung. 1241 trat die Wolkenburg als Herrensitz des Edelfreien und Reichsministerialen Hugo von Wolkenburg erstmals in Erscheinung. Nachdem die Herren von Colditz um 1270 das Gebiet durch Heirat erworben hatten, gründeten sie eine Nebenlinie und verwirklichten eine eigene Landesherrschaft.
Im 14. Jahrhundert festigte sich der markgräfliche Einfluss auch im Muldetal. Silberfunde in unmittelbarer Nähe der Wolkenburg stärkten die wirtschaftliche Bedeutung. Im 15. Jahrhundert ging der Besitz an die mit dem nahen Kaufungen belehnten Ritter über. Nach der Hinrichtung des Prinzenräubers Kunz von Kauffungen 1455 zog Kurfürst Friedrich der Sanftmütige mit anderen Gütern der Familie Kauffungen auch Wolkenburg ein, obwohl der damalige Burgherr Hans von Kauffungen nicht unmittelbar in den Prinzenraub verwickelt war. Fortan vergab der Kurfürst seine Schlösser an der Mulde nur noch an enge Vertraute. Mit Wolkenburg belehnte er das Geschlecht derer von Ende, das mit den Herren von Kauffungen aber verwandtschaftlich verbunden war. 1632 verpfändeten sie die Burg für drei Jahre an Heinrich Hildebrand von Einsiedel, kurfürstlich sächsischer Geheimrat, Obersteuereinnehmer und Landschaftsdirektor des Fürstentums Altenburg. Danach kam die Burg aber völlig in den Besitz der Einsiedels.
Von 1635 bis zur Bodenreform 1945 befand sich das Schloss im Familienbesitz derer von Einsiedel. Hans Haubold von Einsiedel ließ die Burg 1694 bis 1699 zum Schloss umbauen. Die einzelnen Gebäude legte man so an, dass der ovale Grundriss entstand. An der Südseite des Haupttraktes steht im Innenhof ein schmaler runder Turm, dem sich zum Hof eine doppelläufige Treppenanlage mit zwei Ritterfiguren anschließt. Im Nordwesten befinden sich niedrigere Wirtschaftsbauten und ein Turm, dessen Unterteil die Zufahrt zum Schlosshof bildet. Verbunden sind die Gebäude durch eine mit Zinnen versehene Ringmauer.
Auch das Innere der Schlossanlage ist sehenswert. Im oberen Geschoss des Haupttraktes befindet sich der heute restaurierte Festsaal. Er besitzt eine klassizistische Ausstattung, die nach Plänen des Dresdner Oberbauhofmeisters Friedrich August Krubsacius um 1780 für den Schlossbesitzer Detlev Carl von Einsiedel geschaffen wurde. Zarte, aufwändig gearbeitete Stuckreliefs überziehen die Wände und über den Türen ehren Reliefs bedeutende Persönlichkeiten der griechischen Antike. Der Raum steht seit 2004 für Trauungen zur Verfügung. Im südlichen Trakt befindet sich die historische Bibliothek. Im neugotischen Stil angelegt, erstreckt sie sich über zwei Etagen, wobei das obere Geschoss als Galerie dient.
Seit Mai 2008 können die nach historischem Befund aufwändig restaurierten Stilzimmer aus der Zeit um 1800 besichtigt werden. Neben einer Dauerausstellung zum Maler Fritz von Uhde, den Grafen von Einsiedel und dem Lauchhammer Eisenkunstguss vervollständigen wechselnde Ausstellungen das Museumsangebot.
Eine der ältesten Parkanlagen des Muldetales umgibt das Schloss. Ende des 17. Jahrhunderts im Stil eines Renaissancegartens errichtet und später zum englischen Garten erweitert, lädt der Park zu erholsamen Spaziergängen ein. Besonders erwähnenswert sind die Eisenkunstgussplastiken, die der Schlossbesitzer Detlev Graf von Einsiedel zum Ende des 18. Jahrhunderts fertigen ließ. Als der Graf im Jahre 1776 die Eisenhütte zu Lauchhammer erbte, entstanden meist nach antiken Vorbildern diese Plastiken.
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Bildergalerie
Schloss Wolkenburg
Stützpfeiler am Haupttrakt
Schlosshof
Festsaal
www.historisches-sachsen.net
Stand: 01.11.2009