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Beschreibung
In der abwechslungsreichen Muldelandschaft mit üppiger Flora und Fauna liegt am östlichen Terrassenrand das 1253 erstmals genannte Thallwitz.
Historische Angaben über Thallwitz sind spärlich und zum Teil widersprüchlich. Thallwitz soll vor 1382 dem Wurzener Collegiatstift gehört haben. Im 15. Jahrhundert wurde Thallwitz bischöflich-meißnisches Tafelgut und Anfang des 16. Jahrhunderts wohl durch den Bischof Johann VI. dem Ludwig von Canitz zu Lehen gegeben.
Das den Ort dominierende Schloss, ein dreigeschossiger Renaissancebau mit noch ursprünglichen Volutengiebeln, Treppenturm und gewölbter Vorhalle, wurde um 1580 unter den Grafen von Canitz, die zwischen 1502 und 1592 auf Thallwitz saßen, auf einem einfachen rechteckigen Grundriss errichtet. An seiner nordwestlichen Ecke belebt ein über zwei Etagen reichender Erker die schlichte Fassade. Zwerchhäuser untergliedern das steile Dach.
In den nachfolgenden Jahrhunderten gehörte das Schloss verschiedenen Besitzern, u.a. den Herren von Nischwitz, von Ploetz, von Holtzendorf und der Familie von Hoym. Ende des 18. Jahrhunderts kam Thallwitz durch die Heirat von Luise Henriette von Holtzendorf mit Heinrich LI. Reuß in den Besitz der Grafen von Reuß-Ebersdorf. Das Fürstenhaus Reuß beherrschte im östlichen Thüringen das Gebiet um Greiz, Schleiz und Gera. Für Heinrich XIV. Reuß erweiterte der Leipziger Architekt Arwed Rossbach 1882 den Adelssitz zu einer Jagdresidenz. Dabei fügte er westlich an das Schloss einen Flügel im Stil der deutschen Neorenaissance an. Prinz Heinrich XLV. Reuß j.L. überließ das Schloss 1942 der Klinik für Plastische und Wiederherstellende Kiefer- und Gesichtschirurgie "Wolfgang Rosenthal". Doch das Land Sachsen schloss die Einrichtung 1994. Seitdem stehen die Gebäude, mit Millionenaufwand saniert, leer.
Heinrich XLV., der seit 1930 mit den Nationalsozialisten sympathisierte, wurde im August 1945 vom sowjetischen Militär verschleppt und gilt seitdem als vermisst. Da er unverheiratet und kinderlos blieb, adoptierte er bereits 1935 aus erbrechtlichen Gründen seinen Verwandten Heinrich I. aus der apanagierten Nebenlinie Reuß-Köstritz. Seine Witwe Woizlawa-Feodora Prinzessin von Reuß konnte 2008 in einem langjährigen Prozess die Rückübertragung von Schloss und Park Thallwitz erreichen.
Vor dem Schloss befindet sich eine interessante Treppenanlage mit einer Sandsteinkaskade, von der einstmals Wasser in das darunter liegende Becken sprudelte. Im tiefer liegenden Tal führt eine kleine Brücke zur Hauptallee, die den symmetrisch angelegten Park teilt. Die ursprüngliche barocke Gartenanlage mit Orangerie, Blumenparterres, Hecken und Alleen geht auf den Kammerherrn und Oberstallmeister Christoph Sigmund von Holtzendorf - einem einflussreichen Adligen am Hofe von August dem Starken - um 1700 zurück. Im Park standen ehemals in Stein gemeißelte antike Götter, die der Werkstatt von Balthasar Permoser entstammten.
1764 gestaltete Friedrich August Krubsacius im Auftrag des kursächsischen Geheimrats Gotthelf Adolf von Hoym die Schlossterrassen um. Es entstanden Blumenbeete mit geschwungenen Ornamenten im Stil des Rokokos, mit denen eine Einbeziehung der tiefer liegenden Wiesen erreicht werden sollte. Der Park geht harmonisch in das angrenzende Landschaftsschutzgebiet über.
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Schloss Thallwitz
Schloss Thallwitz
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Stand: 16.11.2013