Historisches Sachsen
Das Portal für die Schlösser, Burgen und historischen Ruinen im Freistaat Sachsen
Freistaat SachsenSchlösser & BurgenTagestourenSuchePirna / Sonnenstein   
Allgemeines
Informationen

Buch "Schlösser & Burgen in Sachsen"   Buch "Burgenwanderung durch Sachsen"
Buch "Mauern, Türme und Tore an sächsischen Städten"   DVD "Schlösser & Burgen in Sachsen"

Empfehlung

Beschreibung
Pirna, die erstmals 1233 urkundlich erwähnte Marktsiedlung, wurde um 1220 im Zuge der deutschen Besiedlung slawischer Gebiete gegründet. Vermutlich bestanden schon vorher mehrere Ansiedlungen. Um 1240 erhielt Pirna das Stadtrecht. Kaufleute bestimmten die Stadtentwicklung und Pirna blühte zu einem oberelbischen Handelszentrum auf. Dabei spielte das im 13. Jahrhundert erlassene Stapelrecht als Privileg für die Stadt eine bedeutende Rolle. Dieses besagte, dass alle Waren, welche die Straßen Pirnas und die Elbe passierten, erst drei Tage in der Stadt zum Verkauf angeboten werden mussten, ehe sie weiter transportiert werden durften. Durch seine Bedeutung als Hafen und durch die Nähe zu Böhmen erlebte Pirna im 15./16. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blüte, die in den Baudenkmälern der Stadt ihren Ausdruck fand.
Das Zentrum der Region lag im frühen Mittelalter in Dohna, wo das gleichnamige Geschlecht einen großen Einfluss auf den Gau Nisan ausübte. Mit dem Ausbau der Landesherrschaft unter Heinrich dem Erlauchten wurde Dohna jedoch schrittweise als regionaler Mittelpunkt abgelöst. Hierbei spielte Pirna mit seinem Elbhafen und der Grenznähe zu Böhmen aus wirtschaftlichen, strategischen und politischen Gründen eine entscheidende Rolle. Konzentrierte Expansionsbestrebungen des Markgrafen von Meißen führten 1402 schließlich zur Eingliederung der Burggrafschaft Dohna in die markgräfliche Landesherrschaft.
Wohl keiner hat den Ruhm Pirnas in der Welt so verbreitet, die der italienische Maler Bernardo Bellotto, genannt Canaletto (1721/22-1780), der - über 10 Jahre in Dresden angesiedelt - Mitte des 18. Jahrhunderts mit bestechender Genauigkeit die Festung Sonnenstein malte. Blickt man von der rechten Elbseite auf die Stadtkrone Pirnas, stellt sich dem Betrachter am Steilhang gegen die Elbe eine geschlossene Gebäudefront dar, unterhalb derer man Details der Festungswerke und die Bastionen erkennt.
In der Entwicklung dieser Region am Südostende des Gaus Nisan spielten Grenzen zu Böhmen immer eine besondere Rolle. So verwundert es nicht, dass man den Bergsporn zur Verteidigung nutzte. Seine natürliche Lage am Rand einer Hochebene, die zur Elbe und in Richtung der Stadt steil abfällt, begünstige das Vorhaben. Der Gründung der Burg Pirna, vermutlich um 1200, folgte 1269 ihre erste urkundliche Erwähnung als wettinischer Besitz. Nach dem Tod Heinrichs dem Erlauchten, der ständig um Besitzerweiterungen bemüht war, standen Burg und Stadt Pirna im Zentrum des politischen Interesses.
1291 erwarb Bischof Withego I. von Meißen Burg und Stadt und veräußerte diese bereits zwei Jahre später an Böhmen. Doch die Wettiner nutzten die Gunst der Stunde, die sich ihnen nach der siegreichen Fehde über die Donins bot und erwarben Pirna 1404/05 im Wege der Verpfändung zurück. Seit dem ist Pirna stets in wettinischer Hand geblieben und übernahm als Amt wichtige Aufgaben der Handelskontrolle auf der Elbe und den Handelsstraßen sowie der Grenzsicherung.
Diese politische Entwicklung und die Aufgabe Pirnas als Sitz eines Amtes bestimmten auch das Baugeschehen auf dem Burgberg. In einer ersten Bauphase des 13. Jahrhunderts entstand die alte Kernburg mit Gebäuden zur Elbe und einem Graben zur Hochfläche. An der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert wurde die Baufront zur Elbe geschlossen und zwei Vierecktürme in der Außenmauer zur Ebenheit errichtet. Zudem verschob und vergrößerte man den Abschnittsgraben.
Bekanntheit erhielt der Sonnenstein jedoch als Festung. Kurfürst August ließ ab 1570 die alte Bausubstanz abtragen und beauftragte Rochus Lynar und Hans Irmisch mit dem Neubau. Weitere Ausbauten erfolgte im 17. und 18. Jahrhundert. Mit riesigem Aufwand errichtete man drei Artilleriewerke, eine flankierende Befestigung zur Stadt und einen weiteren äußeren Graben zur Hochfläche. Im 17. Jahrhundert soll auch der Name „Sonnenstein“ Einzug gefunden haben.
Die Wehrhaftigkeit des Sonnensteins stellte jedoch kein Krieg ernsthaft auf die Probe. Bereits zu Beginn des Siebenjährigen Krieges kapitulierten die Bewacher vor preußischen Soldaten. Die Wehranlagen wurden zerstört und der Sonnenstein nach dem Krieg als Landesfestung aufgegeben. Es überdauerten ein 1740 errichtetes Gebäude an der Elbseite und die drei Bastionen an der Nordfront.
1811 baute die Stadt den Sonnenstein zur ersten deutschen Heilanstalt für Geisteskranke aus. Zunächst nutzte man nur die verbliebenen Festungsgebäude, dehnte die Anstalt aber bald auf weitere Bereiche aus. Unter dem Hitlerregime fielen 14.000 Patienten dem Euthanasieprogramm zum Opfer.
Steigt der Besucher heute von der Stadt den Burghang hinauf, erreicht er einen Rundweg, der die ehemaligen Festungswerke miteinander verbindet. Im Schlosshof mit seiner großzügig angelegten Parkanlage steht der dominante viergeschossige Elbflügel, dessen Außenfassade leider stark bröckelt. Auf der Hochfläche sind heute eine Gedenkstätte, Justizeinrichtungen und das Landesvermessungsamt untergebracht.
X X X X X X X X X X Historisches Sachsen - Das Portal für die Schlösser, Burgen und historischen Ruinen im Freistaat Sachsen - © by Heyko Dehn - www.historisches-sachsen.net X X X X X X X X X X
Bildergalerie
Stadt Pirna mit Schloss Sonnenstein
"Niederes Werk"
Elbflügel
www.historisches-sachsen.net
Stand: 01.11.2009