Historisches Sachsen
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Beschreibung
Der unscheinbare Burgfelsen hinter dem Rathaus lässt kaum erahnen, dass hier einmal eine der größten mittelalterlichen Wehranlagen Sachsens stand. Doch die mehrteilige Spornburg hatte in ihrer Blütezeit eine wahrscheinliche Ausdehnung von ca. 150 m Länge und ca. 70 m Breite. Noch Ende des 18. Jahrhunderts zeigen Bilder bemerkenswerte Ruinen auf dem Burgberg. Heute trägt der Burgfelsen nur noch die letzten Trümmer.
Rechenberg entstand in Verbindung mit der Kolonisation des Erzgebirges wahrscheinlich als dreikernige Anlage um 1200. Die Besiedlung trug die böhmische Familie der Hrabisice. Von ihrem Stammsitz, der Riesenburg, aus kolonisierten sie das Saydaer Bergland. 1270 erschien erstmalig mit Apetz de Rechenberc ein Reichsministerialer in einer Urkunde.
Rechenberg war ursprünglich für weitere Ausdehnungen vorgesehen. Dies erklärt auch die vermutete ursprüngliche Größe des Burgareals. Auf Grund von Untersuchungen des Geländes wird angenommen, dass der freistehende Fels mit den Resten der Ruine nur der westliche Ausläufer der Burg war. Leider fehlen bis heute stützende Ausgrabungsergebnisse, so dass diese Annahme bislang noch nicht bewiesen ist. Als die geplante Ausdehnung des Rechenberger Gebietes nicht durchgesetzt werden konnte, war das weitläufige Burgareal nicht notwendig und wurde im Verlauf der Zeit von Osten her teilweise wieder aufgegeben.
So errichtete man im 13. Jahrhundert auf dem westlichen Felsstock nur eine kleine Steinburg. Die Burg blieb lediglich wenige Jahrzehnte Sitz der namengebenden Familie. Rechenberg durchlebte mit dem größeren Siedlungskomplex Sayda-Purschenstein den ständigen Wechsel zwischen dem Königreich Böhmen und der Markgrafschaft Meißen. Spätestens im 14. Jahrhundert hatten die Wettiner im Zuge ihrer Expansionsbestrebungen nach Süden jedoch die Absicht, das Grenzgebiet um Rechenberg dauerhaft in ihren Besitz zu bringen. Dieses Vorhaben gelang Ende des 14. Jahrhunderts, als der in diplomatischen Künsten gewandte Markgraf Wilhelm I. die Herrschaft Riesenburg mit Ossegg und Rechenberg erwerben konnte. Um 1400 erhielt Burggraf Meinher VI. von Meißen das Schloss Rechenberg vom Markgrafen zu Lehen.
Anfang des 16. Jahrhunderts erwarben die Herren von Schönberg die Grundherrschaft Rechenberg. Doch sie konnten die Burg nicht lange nutzen. Bereits 1586 vernichtete ein Feuer die Oberburg und es ist anzunehmen, dass seit dem keine wesentlichen Bauarbeiten mehr an dem Burgareal durchgeführt wurden. Der kurfürstliche Rat Heinrich von Schönberg nutzte jedoch die Gelegenheit zu einem weiteren Ausbau des Herrensitzes. Auf Ihn geht das 1605 vollendete Herrenhaus zu Füßen des Burgberges zurück. Mit dem Tod von Abraham von Schönberg 1639 endete die Herrschaft der Familie aber schon bald. Der Nachlass war verschuldet, so dass die Erben die Herrschaften Frauenstein und Rechenberg an Johann Georg I. von Sachsen abtreten mussten. Der Kurfürst wandelte das Rittergut Rechenberg in ein Kammergut, dessen Erträge fortan in die kurfürstliche Kasse flossen. Die nicht mehr genutzte Burg verfiel in der Zwischenzeit immer mehr. Mitte des 18. Jahrhunderts sollen einzelne Gebäude zwar noch Dächer besessen haben, die Zeichnungen von Adrian Zingg und Johann Friedrich Wizani wenige Jahrzehnte später zeigen allerdings bereits den verfallenen Turm und die Ruinenstimmung, die über der Burg lag. Wegen der ständig größer werdenden Einsturzgefahr mussten 1795 sogar weite Teile des Mauerwerks abgetragen werden. Man nutzte den Bauschutt zur Verfüllung des Burgteichs unterhalb des Felsens.
Das Herrenhaus aus dem beginnenden 17. Jahrhundert erhielt im 18. Jahrhundert seine barocke Gestalt und wurde seitdem nur wenig verändert. Das langgestreckte helle Gebäude mit schiefergedecktem Krüppelwalmdach ist weitgehend schmucklos. 1877 ging es in den Besitz der Gemeinde Rechenberg über, die das Gebäude zum Schulhaus umbauen und den kleinen Dachreiter aufsetzen ließ. Nachdem der Ort ein neues Schulgebäude erhielt, bezog die Gemeindeverwaltung 1993 den ehemaligen Herrensitz und nutzt ihn als Rathaus.
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Burgruine Rechenberg
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Stand: 24.01.2017