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Beschreibung
Noch vor wenigen Jahrzehnten beschrieben Einwohner des Ortes das Schloss Hartenstein als ein mehretagiges Gebäude mit zwei großen Flügeln und einem prachtvollen Turm. Davon ist heute nichts mehr zu sehen, denn am 20. April 1945 vernichteten amerikanische Bombenflugzeuge das Schloss Hartenstein, in dem sich eine Kampfgruppe der SS verschanzt hatte und zerstörten damit den Wohnsitz der Fürsten von Schönburg. Seitdem überwuchern Efeu und Knöterich die Mauerreste. Inzwischen hat der im Herbst 2001 gegründete Förderverein Besitz von der Ruine ergriffen und mit der Sanierung begonnen.
Schon seit langer Zeit gibt das unmittelbare Nebeneinander der Burgen Hartenstein und Stein den Heimatgeschichtsforschern Rätsel auf. Welche der beiden Burgen wurde zuerst erbaut? Wie kam es zu dieser engen Beziehung der beiden Burgen? Fragen, die heute noch nicht abschließend beantwortet werden können, da Urkunden aus der Zeit der Gründung fehlen.
Gebaut wurde die Burg Hartenstein, von der heute noch Mauerreste mit Zinnen und Wallgräben zeugen, in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts mit dem Landesausbau des Reichslandes unter Kaiser Friedrich Barbarossa. In der Gründungsurkunde des Klösterleins Zelle in Aue erscheinen 1173 die Burggrafen von Meißen aus dem Hause Werben (Meinheringer) als Herrschaftsinhaber. Damit spricht vieles dafür, dass die Burg Hartenstein die ältere der beiden Burgen ist.
Meinher von Werben gilt als Bauherr der Burg Hartenstein am alten Verkehrsweg von Altenburg über Zwickau nach Böhmen. Schnell gelang es den Meinheringern ihre Herrschaft zu festigen. Sie strebten eine eigene Landesherrschaft an und versuchten eine reichsunmittelbare Stellung zu erobern. Darüber hinaus waren die Meinheringer auch am Bergbau beteiligt.
Doch bald kam es zu ersten Gebietseinbußen. 1406 sahen sich die Meinheringen gezwungen, ihre Burg und Herrschaft Hartenstein an Veit von Schönburg zu verpfänden. Als 1426 mit Heinrich II. der letzte Meinheringer in der Hussitenschlacht bei Aussig den Tod fand, ging Hartenstein endgültig in den Besitz der Schönburgischen Familie über.
Ihre ökonomische Grundlage gestattete es den Schönburgern, die neu erworbene Burg in ein gräflich-fürstliches Wohnschloss umzubauen. Eine erste Veränderung veranlasste wohl schon Veit I. 1530 und 1570 erfolgten weitere Umbaumaßnahmen, die den wehrhaften Charakter der Burg immer mehr in den Hintergrund treten ließen. Wie repräsentativ diese Umbauten erfolgt sein müssen, verdeutlicht der Aufenthalt von Kurfürst Johann Georg II., der im Jahre 1672 für mehrere Tage zusammen mit 172 Personen und 143 Pferden Unterkunft erhielt. 1695 ließ Otto Ludwig von Schönburg-Hartenstein die 1584 in eine Kapelle verwandelte Rüstkammer umbauen und erweitern und nannte sie seiner Gemahlin zu Ehren "Sophienkapelle".
Ein letzter Umbau des Schlosses fand zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter Fürst Friedrich Alfred von Schönburg-Hartenstein statt. Dem Zeitgeschmack folgend, fügten die Baumeister dem alten Bauwerk neogotische Formen hinzu. Doch dieser Umbau veränderte vieles von der vorangegangenen Bausubstanz. Die Renaissancegiebel verschwanden, der Palas und der Südflügel erhielten gotische Giebel und Festergewände.
Die Burganlage bestand ursprünglich aus einer Kernburg mit einem Palas und einem Wohnturm. Deutlich zeichnet sich noch heute eine zweifache Abriegelung des Burgbereichs ab: eine erste zwischen der Straße und der Vorburg und eine zweite zwischen der Vorburg und der Ruine der Kernburg. Zwingeranlagen und Gräben umgaben die Burg. In frühester Zeit waren nur die Untergeschosse der Gebäude aus Steinen errichtet. Die Obergeschosse führte man - wie häufig üblich - in Fachwerkbauweise aus.
Die Anlage betritt der Besucher durch ein Tor in der ausgebauten und heute bewohnten Vorburg. Vor dem Betrachter erheben sich die Ruinen des ehemals prachtvollen Schlosses. Rechter Hand bildet die Ruine eines Halbrundturmes, der bastionsartig über dem Felsen steht, den Abschluss des Palas'. Ein weiteres Tor führt auf den oberen Schlosshof. In seinem Mauerwerk befinden sich Schlitze mit hölzernen Rollen, über die die Burgbesatzung mit Ketten die Zugbrücke betätigen konnte.
Das Schloss bestand bis zu seiner Zerstörung aus einer hufeisenförmigen, gegen Westen offenen Dreiflügelanlage. Im Nordostflügel befanden sich die Wohn- und Repräsentationsräume. Der Schlossturm in der Nordostecke ging von einem quadratischen Untergeschoss in Achteckgeschosse über und trug unter seiner geschweiften Haube die Schlossuhr und Schlossglocken. Ein schmaler Zwischenflügel besaß einen offenen Arkadengang mit zwei Bögen. Unter dem Südflügel befinden sich gut erhaltene Kellerräume. Nach Westen zeichnet sich die bebauungsfrei Spornspitze ab, die durch Mauern geschlossen wurde.
In die Geschichte eingegangen ist Schloss Hartenstein auch durch den Prinzenraub. In der Nacht vom 7. zum 8. Juli 1455 war der bei Landesteilungen zu kurz gekommene Ritter Kunz von Kauffungen über Leitern in das Altenburger Schloss eingestiegen. Mit Helfern entführte er die beiden Söhne des Kurfürsten Friedrich II., um mit der Kindesentführung eine gerechte Verteilung der Beute aus Fehden und Feldzügen zu erzwingen. Während Kunz von Kauffungen mit dem Prinzen Albrecht kurz vor der böhmischen Grenze festgenommen werden konnte, führten die Ritter von Mosen und von Schönfels den Prinzen Ernst in Richtung Franken. Doch die Nachricht über die Entführung verbreitete sich schnell. Schließlich entschlossen sich die Ritter, in der "Prinzenhöhle", einem ehemaligen Bergbaustollen an der Straße nach Aue, Unterschlupf zu suchen. Nachdem ihnen der Kurfürst Straffreiheit zugesichert hatte, übergaben sie den Prinzen an den Amtshauptmann Veit von Schönburg. Prinz Ernst nahm im Schloss von Hartenstein nach seiner Freilassung das erste Nachtlager.
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Bildergalerie
Ostseite der Burg
Nordmauer
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Stand: 01.11.2009