Historisches Sachsen
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Beschreibung
Ganz im Norden des Freistaates, an der bekannten Dübener Heide, liegt das Städtchen Bad Düben mit der am Ortsrand stehenden Burg. Die 981 bei der Auflösung des Bistums Merseburg erwähnte, aber wohl schon zu Beginn des 10. Jahrhunderts an der Stelle einer bronzezeitlichen Schanze errichtete Burg kontrollierte den Handelsweg von Wittenberg nach Leipzig, der hier über die Muldebrücke führte.
Um 1200 gründeten flamische Einwanderer neben der Burg die Gemeinde Neumarkt. Fränkische und sächsische Siedler übernahmen slawische Gehöfte und bildeten so die Stadt Düben. Die Burg war jedoch immer gegenüber der angrenzenden Siedlung dominierend. Unabhängig von der Verwaltung der Stadt richtete man 1530 den kursächsischen Amtssitz Düben auf der Burg ein und übte Gerichtsbarkeit aus.
Geschichte machte die Burg Düben 1532, als auf ihr der Prozess zwischen dem Junker Günther von Zaschwitz und dem Pferdehändler Kohlhaas begann. Kohlhaas war auf dem Weg zur Leipziger Messe, als man ihm bei Wellaune seine wertvollen Zuchtpferde stahl. Die Wegelagerer handelten im Auftrag des Junkers Günther von Zaschwitz. Kohlhaase verklagte den Halunken und konnte das Gericht von seinem Eigentum überzeugen. Doch dachte der verurteilte Junker gar nicht daran, Schadenersatz zu leisten. Auch das Gericht sah sich außerstande, den Pferdehändler weiter zu unterstützen. Enttäuscht, dass ihm sein Recht nicht zuteil kommen würde, begann Kohlhaas seine private Fehde gegen den Adligen und versetzte mit seiner aufgestellten Privatarmee Nordsachen jahrelang in Angst und Schrecken. Der Adel fürchtete, dass sich die Unruhen weiter ausdehnen könnten. Schließlich wurde der Anführer gefasst und in Berlin auf dem Rad hingerichtet. Heinrich von Kleist nahm die Lebensgeschichte des Pferdehändlers und gestaltete sie literarisch in seiner bekannten Novelle "Michael Kohlhaas".
Düben war auch immer wieder Mittelpunkt militärischer Auseinandersetzungen. Eine dichte Folge von Zerstörungen und Wiederaufbauten verdeutlich die militärische Bedeutung der Burg. Der älteste Bericht über Kampfhandlungen geht auf das Jahr 1115 zurück. Der junge Wiprecht von Groitzsch belagerte während der Auseinandersetzung zwischen den kaiserliche Truppen unter dem Kommando des Grafen Hoyer von Mansfeld und dem aufständischen sächsischen Adel die von einem Parteigänger Kaiser Heinrich V. besetzte Burg erfolgreich und führte von hier die Rückeroberung seines einstigen Herrschaftsgebietes aus.
Auch im sogenannten sächsischen Bruderkrieg zwischen Herzog Wilhelm III. (der Tapfere) und Kurfürst Friedrich II. (der Sanftmütige) von Sachsen soll die Burg vollständig zerstört worden sein. Ausgangspunkt war die am 16. Juli 1445 beschlossene erneute Teilung des wettinischen Gesamtbesitzes (Altenburger Teilung), die Wilhelm III. jedoch konsequent ablehnte. Der Friede konnte erst am 27. Januar 1451 in Naumburg (Saale) wieder hergestellt werden.
Am 4. September 1631 fand hier die persönliche Begegnung der verbündeten protestantischen Fürsten, des Königs Gustav Adolf von Schweden und des Kurfürsten Johann Georg von Sachsen statt. Die verbündeten Armeen, etwa 30.000 Bewaffnete, rückten von hier aus zur Schlacht bei Breitenfeld vor und besiegten den Feldherrn Tilly. Auch Napoleon nahm auf der Burg Quartier, als er 1813 vor der Völkerschlacht bei Leipzig seine Aufmarschbefehle gab.
Heute geht es in Bad Düben erheblich friedlicher zu. Auf der sehenswerten Burg sind neben dem Palas mit den Kellergewölben und dem Luginsland auch Reste des Berings aus sogenanntem Eisenstein, der mittelalterliche Torturm und die ehemalige Wachstube erhalten.
Doch die hoch- und spätmittelalterliche Burg wurde im Laufe der Jahrhunderte durch die grundherrliche Nutzung stark verändert. Die Burg gliederte sich einst in eine Haupt- und eine Vorburg. Der "Lug ins Land" stellt das älteste erhaltene Gebäude im Burgareal dar. Er wurde am Ende des Mittelalters auf alten Fundamenten aus Back-, Bruch- und Raseneisensteinen errichtet. Daneben erblickt man das als Justiz- und Rentamt der Stadt Düben erbaute Haupthaus.
Die Burg beherbergt heute das Landschaftsmuseum der Dübener Heide mit Sammlungen zu Landschaft, Geologie, Brauchtum und Handwerk der Gegend sowie zur Burg- und Stadtgeschichte.
Am Wallgraben im Burggarten steht die letzte erhaltene Schiffsmühle der Mulde. Vermutlich schon vor dem Dreißigjährigen Krieg in Betrieb, wurde die Mühle 1785 in ihrer heutigen Form erbaut.
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Bildergalerie
Torturm und Haupthaus
Torturm
Burgwächterhaus
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Stand: 01.11.2009