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Beschreibung
Nur wenige Kilometer östlich von Grimma befinden sich auf einem steil aus dem Muldetal aufsteigenden Felsen die Reste des erst 1971 gesprengten Schlosses Döben.
Frühzeitliche Funde deuten auf eine frühe Besiedelung dieses Landstriches hin. Im 10. Jahrhundert wurde das eroberte slawische Siedlungsgebiet durch zahlreiche deutsche Burgwarde entlang der Mulde befestigt. 1046 wurde auch Döben erstmals im Zusammenhang mit dem Burgward Grobi, der den Kern einer späteren Burggrafschaft bildete, genannt. Er war Teil des salischen Reichsgutkomplexes entlang der Mulde und entwickelte sich von einer jüngerslawischen Spornburg zur hochmittelalterlichen Wehranlage bis zum Schloss mit Rittergut.
Im Zuge der Neuordnung des Reichsgutes setzte Friedrich I. Barbarossa am Ende des 12. Jahrhunderts in strategisch wichtigen Burgen Burggrafen ein. So urkundete 1189 ein Erkenbert von Tegkwitz als Burggraf auf Döben. Das Geschlecht "von Tegkwitz" residierte etwa ein Jahrhundert auf der Burg. Dann fiel die reichsunmittelbare Burggrafschaft Döben mit der zunehmenden Schwäche des Kaiserreiches an die wettiner Markgrafen. Sie verlehnten die Herrschaft an Vasallen des niederen Adels. Mitte des 14. Jahrhunderts übernahmen die Herren von Luppa die Burggrafschaft Döben und um 1440 kam Döben durch Heirat an Hans von Maltitz. In der weiteren Folge wechselten häufig die Besitzer: Eigentümer waren die Herren von Hirschfeldt, von Canitz, von Schönfeld, von Arnim und als letzte Besitzer bis zur Bodenreform 1945 die Familie von Böhlau.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Rittergut enteignet und aufgeteilt. Das Schloss diente zunächst als Unterkunft für Flüchtlinge, verfiel aber bald zur Ruine. Anwohner entnahmen alles, was zu gebrauchen war, so dass schließlich der Rat des Kreises Grimma die Beseitigung des baufälligen Adelssitzes anordnete. Ein Sprengmeister besorgte den Rest. Mit den Schuttmassen verfüllte man die übrig gebliebenen Keller und Gräben. Das altehrwürdige Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert war Geschichte - oder besser: wäre Geschichte geworden, wenn da nicht Hubertus und Dorothea von Below eingeschritten wären. Die pommersche Familie von Below teilt sich die Herkunft und das Wappen mit der sächsischen Familie von Böhlau und entschloss sich 1992, den Burgfelsen zu erwerben. Seit dem setzte eine rege Bautätigkeit ein, die zu ersten hervorragenden Ergebnissen geführt hat.
In der langen Historie des Schlosses lassen sich im Wesentlichen drei Bauphasen erkennen. Die ursprüngliche Wehranlage des 10. / 11. Jahrhunderts, die den slawischen Burgwall ablöste, umfasste den gesamten Bereich des ehemaligen Schlosses und des Rittergutes. Zur Kirche begrenzte ein Abschnittsgraben den Burgward.
Die zweite Bauphase des 12. / 13. Jahrhunderts konzentrierte sich auf die Burg an der Spornspitze und die Anlage von zwei Vorburgen, die durch Abschnittsgräben voneinander getrennt waren, so dass eine Dreiteilung in Kernburg, innere Vorburg und äußere Vorburg entstand.
Der schlossmäßige Ausbau ab der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts überdeckte die Merkmale der Vorgängerbauten vollständig. Die Herrschaft baute die Burg auf der Spornspitze nach und nach zum repräsentativen Schloss um. Im Bereich der Vorburgen entstand der Wirtschaftshof. Größere Umbauten, insbesondere nach Bränden in den nachfolgenden Jahrhunderten, veränderten die Bausubstanz nochmals. So wurde das Schloss nach einem Brand 1857 nach Entwürfen von Oberlandbaumeister Carl Moritz Haenel im Stil der Neorenaissance restauriert und erweitert. Haenel vereinfachte im Auftrag der Familie von Böhlau die Fassade, fügte einen Erker an der Westfassade an und gestaltete die Innenräume neu.
Das Ende des Bauwerkes nahte jedoch nach dem 2. Weltkrieg. In den Kriegswirren leicht beschädigt, verwahrloste der gesamte Komplex nach der Bodenreform. Schloss und Wirtschaftsgebäude waren dem Verfall preisgegeben. Zudem lieferten die Gebäude - unter staatlicher Duldung - fehlende Baustoffe für Neubauern und Umsiedler. Schließlich musste die zur Ruine verfallene Anlage 1971 aus Sicherheitsgründen gesprengt werden. Damit ging der einstige Glanzpunkt am Steilufer der Mulde für immer verloren.
Heute finden sich auf der Spornspitze noch zahlreiche Ruinenreste. Die Familie von Below bemüht sich, die ehemalige Schlossanlage ihrer entfernten Verwandten wieder herzurichten. Wenngleich das gesprengte Schloss wohl für immer verloren ist, sind es die verschonten Gebäude doch wert, saniert zu werden. Mit Hilfe des Freundeskreises Dorf und Schloss Döben e.V. wurden das Schlossareal vom Schutt beräumt und die erhaltenen Mauern freigelegt. Die Familie von Below baute die ehemalige Malztenne als Wohnhaus aus. Auch das größte erhaltene Gebäude des Rittergutes, die Brauerei, konnte zwischenzeitlich wieder in seiner alten Gestalt aufgebaut werden und steht heute für Festlichkeiten zur Verfügung. Eindrucksvoll veranschaulicht eine kleine Ausstellung im gut erhalten Gartenpavillon die Geschichte des Schlosses.
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Bildergalerie
Ruinenreste des Schlosses Döben
Modell im Gartenpavillon
www.historisches-sachsen.net
Stand: 10.11.2013